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8.30 Uhr. Ich beginne meinen Dienst im Altersheim. Kaum da, klingelt mein Telefon. Es ist die Pflege eines etwas weiter entfernten Wohnbereiches (anderes Gebäude)

„Guten Morgen! Ich weiss du bist grad erst gekommen, aber kannst du dir nachher mal Herrn H. anschauen? Da stimmt was nicht mit dem Penis.“

„Aha, was den genau?“

„Heute morgen bei der Körperpflege ist mir das aufgefallen. Er hat am Schaft so eine Verhärtung. Ich weiss nicht genau was das ist.“

„Ok ich komme nachher vorbei“

Im Kopf ging ich schon das Dermatologie-Buch durch. Harter Schanker? Syphilis? Oh je…Ich machte mich auf den „weiten Weg“ ins 2. Nachbargebäude.

Die Pflege empfängt mich freudig und ist froh, dass ich da bin. Wir gehen zu Herrn H. Er ist auch erfreut mich zu sehen. Diesen Bewohner hatte ich nun schon einige Male gesehen. Er ist ein älterer Herr, 84jahre Alt und noch fit im Kopf. Sehr höflich. Ich mag ihn.

Als er sich frei gemacht hat, sehe ich das Problem. „Aha! Was ist den da passiert?“ Frage ich laut. „Tut es weh“ „ein bisschen“ Ich blicke auf eine Paraphimose. Das ist ein ballonierter Schnürring der Vorhaut. Dies geschieht wenn die Vorhaut nach hinten rutscht und dort verbleibt. Sie schwillt an und fängt an den Schaft abzudrücken. Die Vorhaut von Herrn H. wirkte schon leicht livide. Der Bewohner ist Dauerkatheterträger. Doch dieser wurde heute oder gestern nicht gewechselt. Dies geschieht häufig wenn jemand, der noch nicht so erfahren im Katherlegen ist und die Vorhaut nach der Einlage nicht mehr nach vorne schiebt.

Bildergebnis für paraphimose

Rechte bei: Prof. U. Engelmann, Uniklinikum Köln

Wie geht man das Problem an? Ich nenne es liebevoll „ausmelken“ Man umfasst den Penis im Bereich der geschwollenen Vorhaut und drückt. Langsam drainiert man so die Schwellung weg und man kann die Vorhaut wieder über die Eichel schieben. Sofort bessert sich die Farbe und die Schmerzen sind weg.

Die Pflege war beeindruckt und Herr H. dankbar. Ich frage die Pflege ob sie das noch nie gesehen hätte? Sie verneinte, was mich überraschte. Sogar der Stationsleiter hatte nicht gewusst wo hier das Problem liegt.

Schlussendlich war ich froh, dass ich dem Bewohner so schnell helfen konnte. Doch ein Grinsen konnte ich mir beim Verlassen der Station nicht verkeifen.

 

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