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Da denkt man der Dienst ist vorbei. Liegt auf dem Bett und schaut Netflix als das Diensttelefon mit dem penetranten Rea-Alarm losgeht. Ich zucke kurz zusammen. „Oh man doofer Testalarm“ denke ich noch. Schaue aufs Telefon.

„4 Stock  Zimmer 2“

Whaaat!! Wollt ihr mich jetzt verarschen?? Ich laufe los. Zum Glück bin ich im Assistentenbüro und nicht im Notall Ich bin nah an dem Zimmer dran. Als ich im Treppenhaus bin sehe ich bereits durch die Glasscheibe wie der 1. Anästhesist Richtung Zimmer renne. Ich bin ihm dicht auf den Fersen. Ich bin die 4. die im Zimmer eintrifft. Die Pflege ist bereits am drücken.

„Guten Morgen! Welcher Zyklus?“ frage ich. „Beim 3. Zyklus“ antwortet die Pflege. „Holt schon jemand den Defi?“ „Ja“ „Hast du noch Kraft?“ „nein eine Ablösung wär schön“

Ich löse sie ab. In dem Moment betritt ein Tross Menschen das Zimmer. Es ist das Team der IPS und die Anästhesie mit dem Defi. Sofort werden die Pads geklebt während ich drücke. „Wir machen eine Rhythmusanalyse“ Ich höre auf zu drücken und schau auf den Defi. Es ist schon mal keine Asystolie, aber auch kein Kammerflimmern. Es gibt elektrische Aktivität aber wir haben keinen Carotis- oder Leistenpuls. Ich gebe dem Team 5s um sich für eine Diagnose zu entscheiden, dann beginne ich unaufgefordert wieder mit der Thoraxkompression. „Sieht nach „PEA“ Pulslose elektrische Aktivität aus meinte der Anästhesiepfleger. Sind alle einverstanden?“. Niemand gibt Wiederworte.  Ich werde abgelöst. Wir können nur hoffen, dass sich die Herzaktivität so weit steigert bis wieder ein Auswurf entsteht. Weiterdrücken. Es wird das erste Adrenalin verarbreicht. Die Anästhesie intubiert. Wir haben weiterhin einen bradykarden Rhythmus aber ohne Auswurf. Nach der 2. Runde Adrenalin haben wir ihn wieder. ROSC (return of spontaneous circulation) nach 17 Minuten. Wir reanimieren noch 2 Minuten weiter da seine Herzfrequenz noch keine ausreichende Oxygenierung erlaubt. Blutdruck 150/83mmHg.  Wir fahren schnell auf die Intensivstation. Dort hat die IPS Pflege schon einen Noradrenalin Perfusor vorbereitet. Es werden alle Instalationen (ZVK, Arterie, etc ) vorbereitet.

Nach dem Morgenrapport schaue ich nochmal nach dem Patienten. Er hält sich mit 20y Noradrenalin auf einer Systole um die 100mmHg. Es wurde ein Röntgenbild des Thorax gemacht um einen Pneumothorax zu suchen. Wir haben die Rea richtig gemacht, mindestens 2 Rippenbrüche gehen auf mein Konto. Aber er hatte keinen Pneu. Es ist auch weiterhin unklar wieso er plötzlich so stark dekompensiert ist. Das Herz war schon voroperiert, Aortenklappenersatz. Und er hatte leichte Pleuraergüsse im Röntgen bei Aufnahme. Das dokumentierte Infiltrat sehe ich nicht, für mich ist es eher eine Herzinsuffizienz. Aber er hatte 38.8° Fieber bei Aufnahme. Da muss doch irgendwo was vor sich hin motten.

Im Verlauf des Tages wird noch ein transoesophageales Echo gemacht um Klappenvegetationen zu suchen. Auch diese konnten ausgeschlossen werden. Woher das Fieber und die Entzündungszeichen kommen bleibt unklar.

Mit der Familie wurde beschlossen, dass man mit den Katecholaminen nicht höher als 25y gehen möchte. Der Patient wollte nie an Maschinen hängen. Bei der Aufnahme auf der Notfallstation wurde dies nicht ausreichend besprochen und „Rea ja“ in die Kurve eingetragen.

Es lohnt sich früh über eine Patientenverfügung nachzudenken.

Nachtrag: 3 Tage später starb der Patient. Er wachte nicht mehr auf und die unterstützenden Medikamente wurden abgestellt.

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