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Nachtschicht. Die spannendsten Fälle kommen immr in der Nacht. Ich mag Nachtschicht.

Der Drucker rattert, eine Ambulanz-Meldung kommt per Fax rein. Synkope. Die Patientin ist jung. 29 Jahr alt.  Ich verdrehe innerlich die Augen und denke „wieder eine die zu viel gesoffen hat“

Beim Eintreffen der Rettung ist die Patientin wach und orientiert.Die Patientin berichtet, das sie mit ihrem Freund in einer Shisha-Bar gewesen wäre. Sie hätte nur Mineralwasser getrunken. Plötzlich wäre ihr schwindelig geworden und sie ging vor die Tür um etwas frische Luft zu schnappen.Vor der Türe wurde sie ohnmächtig und war 3 Sekunden bewustlos. Keine Prodromi wie z.b. ein warmes aufsteigendes Gefühl, Atemnot, Thoraxschmerzen, Kopfschmerzen oder ähnliches. Sie war einfach zack und weg. Dies klingt für mich anfangs nach Orthostase oder Rhythmusstörung.

Ich veranlasse ein EKG. Dies ist normal. Was meistens auch bei den Synkopen auf Grund von Rhythmusstörungen so  ist. Um dies genau auszuschliessen bräuchte man ein 24h oder 7 Tage EKG. Wenigstens ist keine Ischämie zu sehen. Die hatte ich aber auch nicht erwartet.

Die neurologische und kardiologische Untersuchung ist unauffällig. Ebenso die Laborwerte. Sie ist nicht anäm bei St. n. Vitamin D Mangel.

Ich gehe nochmal die Anamnese durch. Sie war Shisha rauchen, kein Alkohol, Vater mit Klappenersatz…..sie war Shisha rauchen….da war doch mal ein Artikel den ich gelesen hatte. Ebenfals eine junge Patientin mit einer Kohlenmonoxid-Intoxikation nach Shisha rauchen. Wie wahrscheinlich konnte das sein? Ihr ging es gut, die Untersuchung war normal, sie war stabil und eigentlich wollte ich sie bereits entlassen, da synkopiert sie mir nach dem Aufstehen wieder.

Jetzt musste ich einfach dem Gefühl nachgeben und machte eine arterielle Blutgasanalyse. Meine Pflege hat mich ein bisschen schief angeschaut. Das Resultat bestätigte meinen Verdacht. COHb 19.7% normalerweise beträgt der Wert ungefähr 0.4-1.6%. Ich veranlasse sofort eine Sauerstofftherapie mit 10l O2 über Maske und eröffne der Patientin dass sie über Nacht Gast auf unserer Intensivstation wird. Sie war nicht so begeistert.

Eine Kohlenmonoxid-Intoxikation kann lebensgefährlich sein. Das Kohlenmonoxid bindet sich an die roten Blutkörperchen und verdrängt den Sauerstoff. Die Organe werden unterversorgt und können geschädigt werden. Gewebe geht zu Grunde. Laktat steigt und das Säure-Base-Gleichgewicht wird gestört. Die Patienten entwickeln eine metabolische Azidose. Der PH Wert unserer Patientin war zum Glück normal. Ebenso ihr Laktat Wert. Aber das wichtigste ist: Bei einer CO-Intoxikation ist die Sättigung normal! Der Oxymeter kann nicht zwischen Sauerstoff und Kohlenmonoxid unterscheiden!

Eine therapiebedürftige CO-Vergiftung besteht ab 10%. Bei Schwangeren muss ab 20% eine hyperbare Sauerstofftherapie durchgeführt werden. Bei nicht-schwangeren Patienten oder Männern 🙂 ab 25% Dies war zum Glück bei unserer Patientin auch nicht notwendig.

Am Folgetag wurde eine erneute ABGA durchgeführt. Der COHb war über Nacht auf 1.7% gesunken und wir konnten die Patientin in gutem Allgemeinzustand und diesmal ohne Synkope entlasssen.

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