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…war der Anruf der meine Mittagspause beendete. Vor mir ein halb voller Teller mit Essen. Ich noch nicht satt. Aber die Pflicht ruft. Mit der Oberärztin im Schlepptau laufen wir zügig Richtung Schockraum. Eine ventrikuläre Tachykardie wartet auf uns.

Im Schockraum treffen wir den wachen 70-jährigen, relativ beschwerdefreien Patienten an. Die Defi Pads kleben mittlerweile. Wir möchten sie aber nicht gebrauchen. Der Monitor zeigt eine breitkomplexige monomorphe Tachykardie von 234/min. Die Ehefrau erzählt mir schnell die Geschichte und ich ergänze die Anamnese mit den Risikofaktoren. Die Familienanamnese ist ziemlich übel. Vater mit Stroke, Bruder mit 30 an Herzinfarkt gestorben (am zweiten). Der Patient selber erlitt einmal einen „stummen Infarkt“ dh man sah im EKG, dass es mal eine Ischämie am Herzen gab.

Meine Pflege ist schon munter dabei. Infusion legen, EKG schreiben und was es halt sonst zu tun gibt. Wir rufen die Anästhesie dazu. Da wir vorhaben den Patienten zu kardiovertieren, dh mit Strom den Rhythmus wieder in normale Bahnen zu lenken brauchen wir eine kleine Narkose. Schnell sind die Kollegen da. Mittlerweile sind wir 7 Leute im Schockraum. Der Patient ist sehr still. Wir erklären ihm alles. Dann wirkt auch schon die Narkose.

Der Defibrillator wird auf 100 J aufgeladen. Alles weg vom Tisch. Strom wird abgegeben. Die Arme vom Patienten schnellen in die Höhe. Aber nicht der Brustkorb wie man es immer im Fernsehen sieht. Und viola haben wir wieder ein Vorhofflimmer. Dies ist der normale Rhythmus des Patienten. Besser geht’s nicht.😉

Während wir auf die Laborergebnisse warten rufe ich unsere Kardiologen im nächsten Zentrumsspital an. Bei ST-Senkungen in den Brustwandableitungen vermuten wir eine Ischämie als Ursache für die Rhythmusstörung und möchten den Patienten gern in die Koronarangiographie schicken. Dies klappt auch und ich bereite die Verlegung vor.

Nun ist die Anästhesie wieder weg und ich habe Zeit den Patienten zu Untersuchen. Der Status ist unauffällig. Er ist eigentlich sehr fit. Fährt täglich Rad und hat das Rauchen schon 1983 aufgegeben. Doch die Gene kann man halt nicht wegtrainieren.

Die Papiere sind fertig und die Ambulanz kommt. Ich verabschiede mich und wünsche alles Gute. Wahrscheinlich sehe ich ihn in ein paar Tagen wieder wenn er zurück verlegt wird.