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Tagdienst auf dem Notfall. Heute scheint Herz-Tag zu sein. Alle Hausärzte melden mir einen Thoraxschmerz nach dem anderen an. Darunter auch Herr S.

Herr S. ist ein 80-jähriger Patient, der wie 65 aussieht. Er ist sehr fit für sein Alter und hat ausser einem Schilddrüsenhormon und einer Blutdrucktablette keine Medikamente. Auch die Diagnoseliste ist gut überblickbar. Mit dem Herzen hatte er noch nie ein Problem.

Nach der klinischen Untersuchung wird ein EKG geschrieben. Keine Ischämien erkennbar. Ich warte auf die Herzenzyme. Diese fallen ebenfalls normwertig aus. Die Anamnese lässt auch nicht auf Herzinsuffizienz schliessen. Es bestehen keine Ödeme, keine Nykturie (nächtliches vermehrtes Wasserlösen >3x) oder Probleme flach zu liegen. Zum Kardiomegalie (vergrössertes Herz) Ausschluss fertige ich ein Röntgen Thorax an. Das Herz ist normal gross, keine Ergüsse aber…

mehrere Schatten im rechten Mittel- und Unterlappen. Ich weiss, dass der Patient vor 2 Jahren ein Bronchuskarzinom des linken Oberlappens gehabt hatte. Dies wurde bestrahlt. Er war seit dem immer in regelmässigen Kontrollen beim Onkologen. Wir machen ein CT Thorax/Abdomen.

Der Befund ist ausgedehnt. Der Tumor befindet sich in beiden Lungen, beiden Nieren, den Nebennieren und der Bauchdecke. In der Mitte des Abdomens sieht man eine grosse Tumormasse. Ich kann nicht sagen, was sie alles einschliesst.

Ich teile es dem Patienten mit. Er nimmt es gefasst auf. Seine Partnerin bricht in Tränen aus. Sie kann es nicht verstehen. Man wäre doch regelmässig in der Kontrolle gewesen und die Tumormarker wären auch immer gemacht worden. Man hätte doch die Krebszellen im Blut sehen müssen. Ich versuche es ihr zu erklären. Doch in der Situation bringen Worte nicht viel.

Wir entlassen den Patienten nach Hause. In der Tasche ein Rezept mit Schmerzmitteln für den Thoraxschmerz. Ich hätte ihm den Herzinfarkt wirklich gegönnt.

 

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