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Meine Twitter-Follower haben in den letzten Wochen seit Weihnachten schon miterlebt wie ich mich mit der Pathologie gequält habe.🙂 Pathologie ist eines dieser Fächer, das man während der klinischen Studienjahre dauernd hat und sich nie drum schert. Wir hatten in Zürich Histopatho-Kurse am virtuellen Mikroskop und Makropathologiekurse am fixierten Präparat seit dem 3. Jahreskurs. Aber immer schiebt man die Patho vor sich her. Man braucht es ja noch nicht wirklich, kommt in den schriftlichen Prüfungen in Zürich nur rudimentär vor. Doch dann, dann kommt sie: Die Pathologie-Prüfung im Staatsjahr. Wir sind die einzige Fakultät der Schweiz, die im Januar des Staatsjahres eine solche Prüfung haben.

Ich begann im Dezember mit lernen und ganz intensiv nach den Weihnachtsfeiertagen. Ich konzentrierte mich dabei sehr stark auf die Theorie, da ich davon ausging, dass man hauptsächlich Theroiefragen gestellt bekommt und das Präparat dann nur dem Einstieg dient. Da hatte ich mich getäuscht.

Am 6. Januar war ich dran. Ich zog bei der Auslosung Histopatho anstelle von Makropatho. Ich hätte lieber Makropatho gehabt. Da ich darin einfach besser bin.

Als ich am PC die Präparate öffnete erkannte ich keines von beiden. Das ist schon mal ein sehr schlechtes Zeichen. Ich sah war, dass es sich beim einten Präparat um die Lunge handelt, aber die pathologischen Veränderungen konnte ich nicht einordnen. Beim zweiten Präparat hatte ich sogar mit der Organdiagnose Schwierigkeiten. Ich muss hier sagen, dass ich keine Haut, keine Knochen und keine Weichteile gelernt habe, da mir am Ende einfach die Zeit fehlte. Viele Studenten schwören ja auf die „Mut zur Lücke“-Taktik, aber ich kann auch heute sagen, die ist scheisse!

Mein zweites Präparat war natürlich Haut! War ja klar. Nachdem ich 1h mehr oder weniger ratlos vor meinen Präparaten sass wurde ich zum Prüfer gerufen. Ich kannte den Pathologen, er ist ein ganz lieber und er versuchte mich mit gezielten Fragen auf die Diagnose zu bringen. Die Expertin war auch ganz lieb und nickte immer ausgiebig wenn ich mal wieder was wusste. Es war ein Desaster! Das Lungenpräparat war schlussendliche eine Tuberkulose und das Hautpräparat eine Warze. Wahrscheinlich die einfachsten Präparate in der Prüfung. Ich fiel durch und musste zur Nachprüfung antraben.

Die Nachprüfung fand am 11. Februar statt. Ich habe mich gut vorbereitet, aber man könnte immer noch mehr lernen. Die Medizinstudenten kennen das🙂 Dieses Mal hatte ich alles gelernt und muss im Nachhinein sagen, dass die Warze wirklich einfach gewesen wäre. Ach einfach blöd.

Als ich das Prüfungslokal erreichte traf mich fast der Schlag! Der Chef der Pathologie sollte uns prüfen. Oh je!! Es wurde wieder gelost, aber diesmal stand nur Histopathologie zur Auswahl😦 Wieder hatten wir 30-40min Vorbereitungszeit. Ich setzte mich also an den Laptop und loggte mich ein. 1. Präparat war ein bindegewebig drüsiges Ding. Ich schwankte zwischen Mamma (Brust) und Prostata. Das 2. Präparat war wieder ein Lungenpräparat. Ich schaute es an und stutzte…das kann doch nicht sein? In der Mitte war die pathologische Veränderung zu sehn. Ein geschichtetes Granulom mit zentraler Nekrose in der Lunge. Halt! Das kann doch nicht sein, dass ich schon wieder eine Tuberkulose ziehe. Oder? Ich notierte mir alles zur Tuberkulose (obwohl ich nicht mehr alles zum Krankheitsverlauf wusste, blödes Gehirn) und überlegte mir dann was noch Granulome in der Lunge macht. Die Sarkoidose macht das auch, aber wie sieht die aus? Wir hatten in der Vorbereitung kein Sarkoidosepräparat.

Dann wurde ich zu den Prüfern gerufen. Zuerst kam das Lungenpräparat dran. Ich erzählte, dass es sich um ein Granulom in der Lunge handle und dass es zwei Krankheiten gibt, die sich so präsentieren könnten. Die Tuberkulose und die Sarkoidose. Er fragte mich dann ob die Sarkoidose eine so starke Nekrose machen würde und schon war es klar, dass es eine TB war🙂 Hello again! Ich benannte die Zellen, den Aufbau des Granuloms und dann gings los mit den Fragen….

Wie den das übertragen würde? Per Tröpfchen-Übertragung von infizierten Personen. Dann wollte er wissen wie ich den im Präparat die Tuberkulose nachweisen würde? Ich sagte, dass ich eine Ziehl-Nielsen-Färbung machen würde. Und wenn dann diese negativ wäre? Was könnte man dann machen? Eine PCR! Was den mit dem Granulom passieren würde im späten Krankheitsverlauf. Wusste ich nicht genau und hab gesagt es bliebe ein Defekt zurück, was mehr oder weniger stimmte. Ja wie den dieser Defekt hiesse? ähhh…..in den Tiefen meines Gehirns wusste ich das es eine Kaverne ist aber ich bracht es nicht raus. Dann wollte er die 3 Stadien der Erkrankung wissen. Die brachte ich nicht mehr alle zusammen, leider. Muss ich dann nochmal nachlesen.

Dann kam das zweite Präparat dran. Ich sagte es wäre Mamma. ZONK!!! Es war Prostata. Nachdem wir diesen kleinen Schönheitsfehler behoben hatten befragte der mit zur benignen Prostatahyperplasie und zum Prostatakarzinom. Ich konnte die Lokalisationen in der Prostata benennen und stolperte dann bei der Metastasierung. Blödes Hirn, ich wusste nämlich, dass Prostatakarzinome Knochenmetastasen machen, wieso fällt mir das dann nicht ein?! Dann wurde es ganz heftig. Sie stellten Fragen zur Tumorentstehung, Genmutationen und wollten die Schutzmechanismen des Körpers wissen, damit mutierte Zellen sich nicht vermehren. Er wollte natürlich auf die Protoonkogene und die Tumorsupressorgene raus. Ich nannte Beispiele konnte aber seine Frage wie genau sich die Zellen im Prostatakarzinom verändern nicht beantworten.

Dann war’s auch schon vorbei. Endlich! Ich verliess den Raum und musste erst mal den Gang runterhüpfen. Hoffentlich hatte mich niemand gesehn. Ich hatte ein gutes Gefühl obwohl ich nicht alles wusste. Es war aber auch schwer. War halt der Chef der Pathologie!! Ich denke bei einem anderen Prüfer hätte ich eine bessere Note erzielt, aber ich war zufrieden. Ich hatte bestanden und konnte endlich die Pathologie zur Seite legen!!