Schlagwörter

, ,

Eine weitere Highlight-Story aus meiner Chirurgie-Unterassistenz.

Es war mein Monat auf der plastischen Chirurgie. Auf dem Plan stand eine Mastektomie beidseits. Der Name des Patienten war speziell, nicht eindeutig. Ich dachte mir nichts dabei, wird schon einen Grund für die Mastektomie geben. Einen Tag vor der OP las ich die Akte. Sie war voll mit psychiatrischen Gutachten und Nachweisen für den Start der Testosteron-Therapie. Langsam klingelte es bei mir. Die Mastektomie war der erste Teile einer Geschlechtsumwandlung! Wie cool war das den!

Der erste Teil der Operation verlief wie bei einer normalen Mastektomie. Man löst die Brust vom Muskel ab und schneidet das Brustgewebe heraus. Wir retteten  aber vorher die beiden Brustwarzen inklusive Warzenhöfe, da wir sie am Ende der OP neu platzieren wollten. Meine Aufgabe war wie immer Hacken halten und brav die Fäden abschneiden. Der Plastiker modellierte eine schöne Männerbrust. Mein Unterassistenten-Kollege musste dafür Modell stehen. Er war auch sehr nützlich als die Nippel neu platziert werden mussten. Ich glaube er kam sich ein bisschen doof vor mit halb entblösstem Oberkörper am Ende des OP-Tisches zu stehen😀

Als wir uns entschieden hatten wo die Nippel hinkommen und die ersten Stiche gesetzt waren, sagte der Chirurg folgenden Satz: „So, ich mach jetzt auf der linken Seite weiter und sie kommen hier rüber und nähen das fertig an. Schöne Einzelknöpfe bitte.“ Und wieder einmal traf es mich kaltblütig aus dem Hinterhalt. Ich wechselte die OP-Tisch Seite und hatte mich bei der Ankunft wieder gefangen. Nadelhalter her, Pinzette und los gings. Es war so cool! Ich hab nem Kerl seine neuen Nippel angenäht, naja einen Nippel. Wer kann schon behaupten er hätte jemandem den Nippel angenäht :p Das könne nur wir gestörten Mediziner. Ich liebe den Job.

Nach einer Woche kam der Patient zur Nachkontrolle und ich durfte mein Werk begutachten. Der Nippel hielt und war brav an seinem Platz. Das fiese an der Nippel- Annäherei ist, dass die Dinger ziemlich schwarz werden weil sie schlecht durchblutet sind und sich dann erstmal schälen. Aber nachher werden daraus schöne Nippel. Der Patient war vom Ergebnis begeistert. Die Brust sah toll aus. Ich fragte ihn dann, wie es jetzt mit ihm weitergehe. Er meinte, dass er sich jetzt erstmal an seinen neuen Oberkörper gewöhnen möchte und dann weiter sehe. Aber aktuell wolle er keine weitere geschlechtsangleichende Operation. Ich bedankte mich für die offene Antwort.

Und wiedermal hatte ich riesiges Glück mit dem Timing. Solche OPs sind nicht alltäglich. Normalerweise ist eine Mastektomie etwas trauriges. Man verbindet eine Krebserkrankung damit.  Hier aber lag der Fall anders. Wir halfen einem Patienten sich in seinem Körper wohler zu fühlen. Das Ergebnis sah toll aus und der Patient war rundum zufrieden. Den Brüsten weint keiner mehr nach….obwohl die echt schön waren.