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Meine Zeit auf der Anästhesie ging dann doch sehr schnell vorbei! 2 Monate sind echt nicht so lang. Am Anfang empfand ich das Fach als eher langweilig. Man kann einfach nicht viel tun als Praktikant, denn die Anästhesie ist ein Fach wo es schnell mal gefährlich werden kann. Dies bemerkte ich vor allem in den wenigen Notfallsituationen, die ich erlebt hatte.

Am Anfang durfte ich Viggos legen, verkabeln und Medikamente aufziehen. Anfangs wurde ich noch kontrolliert beim Medikamenten aufziehen. Nach einigen Tagen liesen sie mir freie Hand und glaubten mir auch wenn ich irgendwas in einer Spritze herantrug und behauptete es wäre Medi XY. Der Verantwortung war ich mir auch bewusst und kontrollierte meine Medikamente immer sehr sorgfältig. Schnell durfte ich auch meine ersten Intubationsversuche starten, die kläglich scheiterten🙂 Der Oberarzt tröstete mich mit den Worten „Ach, die ersten 10 mal klappt das nie!“ Oh je, dachte ich. Doch ich darf berichten, die 5. Intubation gelang mir. Ich tastete mich langsam heran vom zahnlosen Patienten bis hin zum 20 jährigen Jüngling mit wunderschönen Zähnen.🙂 Eine Eigenschaft die ich während der Anästhesie an mir entdeckte ist meine Ruhe wenn etwas sorgfältig ausgeführt werden muss. Ich war fest davon überzeugt, dass ich extrem nervös sein würde wenn man mich an die Patienten heran lies. Doch es war nicht so. Meine Hände blieben ruhig und so gelang es mir die kleinen mehr oder weniger invasiven Prozeduren ohne Probleme durchzuführen.

In meinem zweiten Monat war ich einige Wochen im OP der Gynäkologie. Dort liess mich die Oberärztin sogar die Lokalanästhesie für eine Spinale spritzen. Wäre die Patientin nicht so jung gewesen und die Nadel für die Spinalanästhesie nicht so dünn (27G) hätte ich die Spinale stechen dürfen. Aber es sollte nicht sein. Leider hatten wir dann nie mehr eine Spinalanästhesie. Sektios durfte ich nicht stechen, da es bei einem Kaiserschnitt sehr wichtig ist, dass alles „richtig sitzt“

Einmal waren wir etwas unterbesetzt auf der Gynäkologie und eine der Patientinen bekam eine LA-MAC, das bedeutet die Operation wird in Lokalanästhesie mit „monitored anaesthesia care“ durchgeführt. Die Patientin ist also wach und wird von uns ein wenig sediert und mit Schmerzmitteln versorgt. Am Anfang war noch ein Anästhesiepfleger bei mir aber dann waren alle in den anderen Sälen. Ich musste also die Patientin alleine bespassen🙂 Nach kurzer Rückfrage mit dem Oberarzt wegen den Medikamenten sorgte ich dafür, dass die Patientin keine Schmerzen hatte und permanent etwas schläfrig war mir aber nicht wegschlief. Das blöde an diesen Opiaten ist, dass man die Patienten ständig zum atmen auffordern muss. Das tun die nämlich irgendwann nicht mehr🙂 Ein kurzes ansprechen reicht da schon. So war ich die ganz OP alleine und spritze Fentanyl und Dormicum aus der Hand wie ich gerade das Gefühl hatte, dass es ok ist. Für mich eine Herausforderung, aber der anwesende Oberarzt hatte wohl das Gefühl, dass ich das einschätzen kann. Er war es auch der mir am Ende des Praktikums mein Zeugnis schrieb😉

Zwei Tage ging ich sogar freiwillig arbeiten. An einem Samstag begleitete ich die Assistenzärztin auf dem sogenannten Aussendienst. Das ist der Dienst, der für die Reanimationen, Schockräume, Schmerzvisite und Prämedikationen verantwortlich ist. An dem Tag wo ich dabei war passierte natürlich nichts. War ja klar. Aber ich hatte einigermassen einen Eindruck erhalten was es noch so zu tun gibt als Anästhesist. An einem anderen Tag war ich auf der Intensivstation. Total unüblich für Unterassistenten. Aber wenn man Interesse zeigt und höfflich fragt, darf man meistens überall mal reinschauen und ich kannte die Oberärztin schon. An diesem Tag passierte natürlich auch nichts auf der IPS. Aber ich hatte auch einen guten Eindruck vom Betrieb erhalten z.B. die vielen Visiten mit den unterschiedlichen chirurgischen Disziplinen, die mehrmals am Tag stattfanden. Auch das Patientengut ist logischerweise ein total anderes und die Assistenzärzte dürfen auch manuell viel mehr machen als auf einer anderen Station.

Fazit: Ich bin mir nicht sicher was die Anästhesie betrifft. Ich muss mich erst noch in den anderen Disziplinen umschauen. Interessant ist es auf jeden Fall und wenn man dann mal alles machen darf, also die ganzen Plexen stechen, Fiberoptisch Intubieren etc etc. auch sehr vielseitig.