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Ein ganz normaler Tag auf der Anästhesie. Junge Patientin wird zu uns in den OP gebracht. Ich bin alleine mit ihr. Die beiden Anästhesiepfleger sind in den zwei anderen Sälen, der Assistent auch. Ich begrüsse die Patientin und stelle sicher, dass wir auch die richtige haben. Sie fühlt sich wohl und wir betreiben den üblichen Smalltalk. Meine erste Handlung: Ich schliesse sie an das EKG an. Normokarder Sinusrythmus. Alles ok. Die Blutdruckmanschette halte ich in den Händen, kann mich aber für keine Seite entscheiden, da der Zugang noch nicht gelegt ist. Ich lege sie wieder zur Seite. Dann kümmere ich  mich um den Zugang. Rechter Arm: sehr feine Venen. Sie treten kaum hervor trotz Blutsperre. Am linken Arm treffe ich die gleiche Situation an. Ich bin immer noch alleine im Saal. Ich habe ein schlechtes Gefühl. Nicht nur was den Zugang betrifft sondern allgemein. Ich rufe nach dem Anästhesiepfleger. Er kommt, begrüsst die Patientin und schaut sich die Venensituation an. Am rechten Arm wird er fündig. Die Punktion gestaltet sich aber nicht ganz einfach. Die Vene muss angespült werden damit der Zugang reingeht. Dann ist es geschafft. Er beginnt den Zugang zu befestigen. Plötzlich sagt die Patientin: „Mir ist unwohl“ Ich schaue auf den Monitor. Der Puls sinkt. Wir reden mit ihr, fordern sie auf tief durchzuatmen. Puls sinkt weiter. Der letzte Wert ist bei 38, dann plötzlich Asystolie. Ich renne um den Tisch rum, der Kopf der Patientin kippt zur Seite, die Augen sind offen. Mydriasis. Ihre Pupillen sind riesig. Der Anästhesiepfleger ruft aus dem OP nach dem Oberarzt. Die Patientin krampft leicht und der Zugang ist gefährdet. Ich soll den Arm packen damit er die Infusion anschliessen könne. Er blickt mich an „Der Zugang ist jetzt das wichtigste!“ Der Oberarzt kommt und dann ist es auch schon vorbei. Ein kurzes Stöhnen und Blinzeln und die Patientin kommt langsam wieder zu sich. Auf dem Monitor wird wieder ein Sinusrhythmus angezeigt. Langsam löst sich meine Starre. Ich greife zur Blutdruckmanschette. Kurz darauf haben wir den ersten Blutdruck. 80/50. Noch nicht berauschend, aber immerhin. Der Anästhesiepfleger hält permanent den Arm der Patientin und fühlt den Radialispuls. Er erklärt mir, dass man diesen bis zu einem systolischen Wert von 80mmHg tasten kann. Wir reden mit der Patientin, sie ist noch benommen, kann aber Auskunft geben, dass sie sowas schon lange nicht mehr gehabt hätte. Einmal als Teenager während dem Ohrloch stechen. Der Oberarzt ruft in der Kardiologie an. Wir müssen abklären ob man die Patientin vor der Operation kardiologisch abklären sollte. Die Kardiologie gibt grünes Licht und die Operation kann starten. Während dem Eingriff gibt es keinerlei Probleme mehr.

Nach der Einleitung schickt mich der Anästhesiepfleger zum Kaffeetrinken in den Pausenraum. Ich bin immer noch leicht paralysiert und froh über die Pause. Im Pausenraum treffe ich die Unterassistentin der Gyni und erzähle ihr von dem Vorfall. Es tut gut gleich darüber zu reden. Auch der Anästhesiepfleger redet nachher noch mit mir. Wie es weiter gegangen wäre wenn die Patientin nicht so schnell zurück in den Sinusrhythmus gefunden hätte. Dabei bemerkten wir, dass mir niemand gesagt hat wo der Rea-Wagen steht. Nun weiss ich es und werde mich in Zukunft selber informieren wo die Sachen zu finden sind. Den Kick brauch ich nicht nochmal.