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Heute fühlte ich mich zum ersten Mal hilflos. Ich hatte einen „eigenen Patienten“ für den ich unter Aufsicht verantwortlich war. Er war kein schwer kranker Patient. Seine Diagnose lautet Psoriasis. Eine Hauterkrankung die im Volksmund als Schuppenflechte bekannt ist. Ich nahm ihn vor einigen Tagen auf und leitete seine Therapie ein. Obwohl das auch zu viel gesagt ist. Ich führte nur die Anweisungen der Dermatologen aus. Die Psoriasis führt dazu, dass sich die Haut zu schnell abschuppt. Bei der klassischen Variante schuppt sich vor allem die Haut über den Streckseiten der Gelenke ab, also Ellenbogen, Knie und über dem Sakrum. Aber auch am Haaransatz ist es klassisch. Manchmal sind auch die Nägel und die Gelenke betroffen. Bei meinem Patienten schuppte sich die Haut überall. Sogar im Gesicht, was auch für ihn einen Neuerung war. Damit die Medikamente gut einwirken können muss sich der Körper erst mal abschuppen. Das schafft man mit Salicylvaseline. Danach gibt es eine Kortikosteroid-Salbe. Es muss mindestens Steroid-Klasse III oder IV sein damit der gewünschte Effekt erzielt wird. Zusätzlich zur ganzen Psoriasis-Therapie hatte der Patient auch noch einen Augeninfektion welche wir mit den Ophthalmologen in den Griff bekamen. Sein Ektropium beidseits besserte sich bald und er konnte die Augen wieder komplett schliessen. Alles lief gut. Ich sah den Patienten gestern zum letzen Mal und er sah toll aus. Ich freute mich für ihn. Die Schuppung und die Rötung waren praktisch komplett verschwunden. Er durfte heute nach Hause gehen.

Am späten Nachmittag sass ich im Ärztezimmer und mein Assistenzarzt kam rein. Er berichtet mir, dass mein Patient auf der Notfallstation sei mit V.a. Lungenembolie. Eine halbe Stunde später kam der Anruf, dass die Lungenembolien nun bestätigt wären. Das Team auf dem Notfall fragte uns warum der Patient bei einem einwöchigen Aufenthalt nicht untere Antikoagulation gestanden hätte? Ich begann mich sofort zu Fragen ob wir was falsch gemacht hätten, ob ich was falsch gemacht habe? Hatte ich bei der Anamnese oder beim Status irgendwas übersehn? Nein, der Patient war mobil. Er lief immer rum, er war gesund, er ist jung und laut Krankenhaus-Richtlinien musste man ihn nicht unter Antikoagulation stellen.

Und nun frage ich mich, wie sich der gesündeste Patient auf unserer multimorbiden, mit Krebs durchfressenen Station multiple Lungenembolien eingehandelt hat? Ich kann’s mir echt nicht erklären. So ein sch… Tag!