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Meine Woche war wiedermal durchzogen. Ich hatte Tage wo ich nur blöd rumgehockt bin und mich bei den Pathologen rumgedrückt hab um überhaupt etwas zu machen. Dann hat mich der Rechtsmediziner noch genervt mit dem doofen Vortrag den ich halten muss. Mir fiel einfach kein Thema ein und ich fühlte mich unter Druck gesetzt, was ich blöd fand, da es ja nur ein Vortrag ist. Ich sollte mich bis zum nächsten Tag entscheiden. Dann hatte ich Glück und er war krank. So konnte ich mir das Thema noch etwas überlegen. Und endlich lass ich im Buch einen Satz der mich „inspirierte“: Bei verunfallten Radfahrern setzt die Totenstarre schneller ein das sie durch die sportliche Aktivität nicht mehr so viel ATP übrig haben. Interessant! Und so suchte ich mir Fachartikel raus, die alle Veränderungen beschrieben welche die Totenstarre beeinflussen können.

Dann wurde es Donnerstag und der Rechtsmediziner war wieder da. Er verkündete mir, dass er eine Meldung eines Leichenfunds bekommen hätte und dass die Überreste irgendwann heute oder morgen eintreffen sollten. Er würde mich dann dort einspannen und mich viel alleine machen lassen. Das wäre ein gutes Thema für den Vortrag. Tja, so konnte ich mir mein Thema wieder ans Bein streichen. Ich stress mich jetzt einfach nicht mehr wegen dem doofen Vortrag und freue mich auf die Identifizierungsarbeit. Die Überreste sollen praktisch nur noch aus Knochen bestehen und so wälzte ich die Bücher und lass mir die Kapitel über Identifikation mittels Knochen durch. Doch die Knochen kamen nicht. Auch am Freitag nicht. Ich hoffe, dass sie nächste Woche endlich mal eintreffen.

Am Freitag hatte ich viel zu tun. Über Nacht gab es einen unklaren Todesfall auf einer Station im Spital und wir führten einen Legalinspektion (Leichenbeschau) durch. Als wir den Totenschein der Leiche anschauten fehlte das Kreuz bei „Meldung an die Polizei“ So musst der Totenschein nochmal auf die Station zurück gebracht werden damit alles seine Richtigkeit hat. Die Meldung an die Polizei erledigten wir selber.

Der Rechtsmediziner liess mich dann die Legalinspektion durchführen und ich durfte sogar die Befunde diktieren. Mein erstes Diktat!

Bei einer Legalinspektion geht man am besten von Kopf bis Fuss vor. Ich hatte eine Liste die mich gut durch die Untersuchung führte. Und so beschrieb ich jeden blauen Fleck und jede Narbe die ich finden konnte genau. Man muss aufpassen, dass man wirklich nur beschreibt und nicht schon wertet. Ich hatte gelernt Hauteinblutungen von Hautunterblutungen zu unterscheiden trotzdem nennt man es nicht beim medizinischen Namen Hämatom oder Suffusion. Auch Bezeichnungen wie Tragus oder Skrotum muss ich am Montag noch aus meinem Bericht streichen und die deutschen Bezeichnungen einsetzen. Der Rechtsmediziner erklärte mir, dass ein Staatsanwalt diese Begriffe nicht vesteht und darum müsse alles Deutsch sein.

Bis zum Mittag war ich bei der Genitalregion angelangt. Als ich damit fertig war deckte ich den Leichnam wieder zu, schob ihn in den Kühlraum und ging essen. Eine halbe Stunde später machte ich weiter. Das dauerte dann auch nicht mehr lange. Leider musste ich die Befunde mit dem Rechtsmediziner besprechen bevor ich diktieren konnte und so warteten wir, ich und der Präparator, nach dem Mittag noch ziemlich lange. Mein anschliessendes Diktat dauerte 35 Minuten. Hab mich gefreut, dass ich nicht länger gebraucht hab. Nun war der Leichnam frei für den Bestatter und der Präparator konnte endlich seine Arbeit beenden. Ich brachte mein Tape zur Sekretärin und sie schrieb noch am selben Nachmittag den Befund nieder. Er war nur eine A4 Seite lang, was gut ist. Der Rechtsmediziner prophezeite mir nämlich, dass mein erstes Diktat sicher 4 Seiten lang werden würde weil man viele unwichtige Sachen diktieren würde. Ich hatte offenbar den Überblick und er „lobte“ mich auch irgendwie. Er sagte der Bericht sei gut und ich soll die Änderungen bis Montag um 10 Uhr fertig haben.

So ging ich ins Wochenende. Zufrieden etwas getan zu haben und etwas lernen konnte ich auch🙂