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Am Ende dieses Semesters hatten wir einen OSCE-Postenlauf (OSCE = Objective structured clinical evaluation) Ich war etwas genervt, weil für diese Prüfung, welche nicht zählte, ein ganzer Morgen Lernzeit draufging und natürlich einen Tag Vorbereitung welche ich gut für den prüfungsrelevanten Stoff hätte gebrauchen können. Aber der artige Medizinstudent fügt sich …was sollten wir auch anderes machen.

Um 8 Uhr ging es los. Im Gesamten mussten wir 8 Posten absolvieren. In jedem Zimmer trafen wir einen Schauspielpatienten und einen Examinator ausser im Rea-Zimmer und bei den Radiologen. An der Tür hing die Aufgabenstellung welche wir beim ersten Läuten lesen durften.

Posten 1: der psychiatrische Patient

Oh je! Dachte ich mir. Gleich die Psychiatrie. Ich bin ziemlich mies im Erheben des Psychopathologischen Befunds. Es war eine Fremdanamnese, was es auch nicht leichter gemacht hat….fand ich jedenfals. Die Mutter berichtete von ihrem Sohn, der seit einigen Wochen so viel macht und organisiert und kaum mehr schläft. Nach dieser Erklärung war es schnell klar was der Sohn hat: eine manische Phase. Ich versuchte mich dann noch durch den restlichen psychopathologischen Befund zu quälen, aber mir fiel nach der Suizidalität, weiteren Depressionen, der Familenanamnese, dem Sexualverhalten, den Medikamenten und den Schlafgewohnheiten einfach nichts mehr ein -.- Die Zeit rettete mich dann. Wir hatten pro Zimmer nur 12 Minuten. Der Psychiater meinte ich wäre sehr einfühlsam mit der Mutter umgegangen aber mein Befund hätte Löcher gehabt. Wo er recht hat hat er recht -.-

Posten 2: der Herz-Kreislauf/Lungen-Patient

Die Patientin berichtete mir von Schmerzen an der rechten Seite. Während der Anamnese hustete sie immer mal wieder. Zuerst dachte ich die Schauspielerin musste husten, aber der Husten war ein Symptom. 🙂 Ich fragte sie wie lang sie schon husten würde. Ein paar Tage. Ob sie den Auswurf hätte? Und da sagte sie ja! In meinem Kopf öffnete sich eine Türe auf der fett „Pneumonie“ drauf stand 🙂 und in der ganzen Aufregung vergass ich doch die Reiseanamnese! Ich will euch nicht länger auf die Folter spannen, die Frau hatte keine Pneumonie sondern eine Lungenembolie und ich habs übersehn. Mega gigantischer Fail!! 😀

Posten 3: Der ORL-Patient

Der Patient klagte über Atembeschwerden. Er hätte immer ein verstopftes Nasenloch. Das sei jetzt seit 2 Jahren so. Als er sagte seine behinderte Nasenatmung sei einseitig gingen gleich alle Alarmglocken los 🙂 Das wird uns im Studium auch vermittelt. Oft wird auf den total seltenen Sachen rumgeritten und man vergisst die einfachen Dinge. Ich untersuchte die Nase und der Prüfer zeigte mir den Befund auf einem Bild. Ein Tumor kommt ehr von den Nasenmuscheln her, seine Befund schien aber ehr vom Septum her zu kommen. Ich wusste meine Tumor-Idee kann nicht sein, weil er es schon seit 2 Jahren hatte, aber ich kam auf nix anderes. Dabei lag es so auf der Hand. Septumdeviation infolge Trauma. Hatte ich nach Trauma gefragt? Nein natürlich nicht! 😀 Aber der Posten war trotzdem cool 😀

Posten 4: Der ophthalmologische Patient

Ich mag ja Ophthalmologie, aber der Status ist trotzdem schwer. Der Patient klagte über plötzlichen Sehverlust auf dem rechten Auge. Ich führte eine Fernvisusprüfung durch. Auf dem rechten Auge sah der Patient nichts mehr und ich hätte dort noch weiter untersuchen müssen. Wenn ein Patient bei der Fernvisusuntersuchung nichts sieht, sollte man einen Nahvisus machen, wenn er den auch  nicht sieht, muss man eine Anzahl Finger vorhalten, wenn er die auch nicht sieht sollte man ein Lämpchen nehmen und schauen ob er das Licht sieht. Und dann wäre man fertig! 🙂 Hab ich natürlich vergessen 😀 Dafür klappten die anderen Untersuchungen wie Gesichtsfeld und Papillenuntersuchung ganz gut. Die Uni hat ein Papillen-Phantom bei dem anstelle der Papille eine Zahl zu sehn ist, die musste ich dem Prüfer nennen 🙂 Nach der Augenuntersuchung reichte mir der Prüfer den Befund. Es war einen Netzhautablösung. Ich erklärte dem Patienten was als nächstes gemacht werden musste und dann war die Zeit auch schon wieder um. Ich finde der Ophtha-Posten lief nicht mal so schlecht. 🙂

Posten 5: Radiologie

Ahhhh, ein bisschen ausruhen 🙂 In der Radiologie liefs gut. Ich hatte eine nette Prüferin. Zuerst musste ich ein Thoraxröntgenbild befunden und danach Strukturen in einem CT benennen. Sie fragte mich auch nach Kontraindikationen für eine Untersuchung mit Kontrastmittel. Die wären: Niereninsuffizient, Hyperthyreose und Allergie. Bei der Hyperthyreose kann das Jod-haltige Kontrastmittel eine thyreotoxische Krise auslösen.

Posten 6: Der Notfall-Patient

Der geilste Posten überhaupt! In der Aufgabenstellung stand, dass man in eine Apotheke kommt in der jemand zusammengebrochen ist. Der Mitarbeiter ist allein und arbeitet erst einen Tag dort. Er ist völlig ausser sich und schreit total rum. Ich öffnete die Tür und es kam mir gleich schallend entgegen „Endlich kommt jemand!!“ Ich legte gleich los mit ABC und fing sofort mit den Thoraxkompressionen an. Der Apothekenmitarbeiter rannte um mich rum und schrie. Ich wies ihn an den Notruf zu verständigen, was er dann auch tat. Ob er den einen Defibrilator hätte? „Keine Ahnung!!!! Ich arbeite erst eine Tag hier!! Wenn der stirbt werd ich gefeuert“ Ich musste einfach grinsen. Ich versuchte ihn zum beatmen zu überreden aber er wollte nicht „nein, der hat sicher einen Infektion!!“ Am Ende übernahm er die Thoraxkompressionen und ich beatmete den Patienten mit einem Ambu-Beutel. Plötzlich fiel ihm ein wo der Defi ist und er holte ihn. Danach war es eine Bilderbuch-Rea bis der Prüfer dann abbrach 🙂 12 Minuten Thoraxkompressionen. Ich war kaput 🙂 obwohl ich nicht allein musste 🙂 Ach ja, wir haben ihn gerettet :p

Posten 7: Der Abdomen-Patient

Der Patient war ein alter Mann mit Schmerzen im linken unteren Quadranten. Und wieder öffnete sich ein Türchen mit der fetten Aufschrift „Divertikulitis“. Ich sollte mir das abgewöhnen 🙂 Ich erhob die Anamnese und fragte ihn auch nach seinen Essensgwohnheiten „Ich esse nur Fertiggerichte! Das geht schnell! Gemüse? Nein, ess ich nicht“ Aha, die Spur wurde heisser :p Bei der Untersuchung vergass ich die Nierenlogen zu untersuchen. Ganz erhlich? Hab ich noch nie in einem Kurs gemacht und darum vergessen. Eben so wie das Rütteln am Becken. Auch noch nie gemacht. Tja…Aber es war schon richtig. Er hatte eine Divertikulitis. Hätte aber auch was mit den Nieren sein können oder Steine im Urether.

Posten 8: Bewegungsapparat/Nervensystem oder der Posten an dem ich total versagt habe! The biggest Loser-Posten 😀

Patientin berichtet über Schmerzen in der Hand bzw. über Gefühllosigkeit in den Fingern. Sie sagte es sei genau gleich wie bei ihrem Vater welcher nach diesen Symptomen Tage später einen Schlaganfall erlitten hatte. Von dieser Story liess ich mich so auf Glatteis führen, dass ich es versäumte die Hand richtig zu untersuchen. Anstelle dessen fing ich einen neurologischen Status an und ignorierte die Hand gänzlich. Kurz gesagt: Sie hatte ein Karpaltunnelsyndrom und keine Schlaganfallvorzeichen. Wenn ich die Hand untersucht hätte hätte ich es gemerkt.

Das wars. Nach 2h hatten wir es hinter uns. Am Ende war es wirklich nicht schlimm und ich kam aus praktisch jedem Zimmer mit einem Grinsen heraus. Der OSCE hat mir vor Augen geführt wie viel ich noch lernen muss und dass ich in meine Anamnese- und Statuserhebung viel mehr Struktur reinbringen muss. Wie weiss ich leider noch nicht 🙂 Ich bin offen für Tipps 🙂

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