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Heute Morgen stand ich um 5.15 Uhr auf um in einer zürcher Privatklinik ein Baby auf die Welt zu bringen. Natürlich hab nicht ich es entbunden sondern unser Gynäkologie-Kursleiter. Wir standen nur daneben und sahen gut aus 🙂

Ein Kaiserschnitt oder wie es auf „Schlau“ heisst Sectio ceasarea ist eine schnelle Sache. Die Patientin bekommt eine Spinaleanästhesie. Nicht einmal eine PDA (Periduralanästhesie) dabei hätte man noch einen Kathether im Rücken. Diese Technik betäubt sehr lange. Bei der Sektio wird aber nur eine spinale Anästhesie gesetzt dh. ein Lokalanästhetikum wird in den Subarachnoidalraum des Rückenmarkes gespritzt. So wird die Signalübertragung der vom Rückenmark ausgehenden Nerven gehemmt. Die Patientin wird in 15° Linksseitenlage gelagert um ein Vena Cava Kompressionssyndrom zu vermeiden. Darunter versteht man einen Blutdruckabfall mit Synkope weil die Vena Cava inferior durch den Uterus abgedrückt wird. Als wir in den OP kamen sahen wir das die Patientin etwas nach links geneigt liegt. Die Lagerung wurde also schon gemacht. Sie war abgedeckt und die Anästhesie bereit. Dann der Schnitt. Es ist der sogenannte Pfannenstielschnitt. Er wird oberhalb der Symphyse angesetzt. Zuerst wird die Haut durchtrennt, dann die Subcutis, dann die Faszie des M. rectus abdominis, dann das Peritoneum (Bauchfell) und schon ist man am Uterus. Der Uterus wird geritzt und dann mit den Fingern stumpf geteilt.

Es ging echt schnell. Der Operateur griff in den Uterus um das Köpfchen zu greifen und der Assi drückte oben auf den Bauch. Flutsch! War das Mädel schon draussen und begann lautstark ihre Ankunft zu verkünden 😀 Die Nabelschnur wurde durchtrennt und die Kleine den Kinderärzten zum ersten Untersuch übergeben. Dabei wird mittels APGAR-Score das Kind beurteilt. Die Chirurgen holten währenddessen die Plazenta. Sie lösste sich gut und es blutete nicht stark. Nun wurde alles wieder zugenäht. Schicht für Schicht. Am Ende wurde der Hautschnitt geklammert. Als der Doc die OP begann hat er noch die alte Sektionarbe der 1. Geburt rausgeschnitten, damit gesundes Gewebe auf gesundes Gewebe trifft beim erneuten Wundverschluss.

Das war meine zweite Sektio. Diesmal konnte ich die Operation nachvollziehen, nicht wie damals im Häfelipraktikum 🙂 Nach meinem Ausflug in den OP war es erst 9 Uhr Morgens und ich machte mich auf in die Bibliothek um meinen Pädiatriestoff fertig zu bearbeiten. Ich habs übrigens geschafft und bin Vorlesungstechnisch wieder up to date! 😀

Dann um 16 Uhr nach dem Pathologie-Kurs fuhren wir ins Rechtsmedizinische Institut für unseren ersten RM-Kurs. Am Eingang war ausgeschildert welche Gruppe welche „Workshops“ hat. Ich war mit „forensische Radiologie“ und „Leichenschau“(Legalinspektion) dran. Zuerst die Leichenschau.

Als ich den Saal betrat bot sich mir ein ähnliches Bild wie damals im Präpen. Ein Tisch mit einer zugedeckten Gestallt mit dem Unterschied das kein chemischer Konservierungsmittelduft in der Luft lag. Als alle versammelt waren deckte der Rechtsmediziner die Leiche ab. Sie war sehr „frisch“. Ca. 12 Stunden tot. Wären nicht die Totenflecke gewesen, die sich an seiner Seite hochzogen hätte man meinen können der Mann schlafe nur. Wir gingen die sicheren Todeszeichen durch. Es gibt drei. Totenflecke, Totenstarre und Fäulnis. Bei ihm waren bis jetzt nur die Flecken und die Totenstarre ausgeprägt. Wir versuchten seine Gelenke zu beugen. Als ich die Leiche anfasste fühlte er sich normal an, wie wenn man einen anderen Menschen anfasst mit der Ausnahme das er kalt war. Diese Kälte jagte mir auch einen kleinen Schauer den Rücken hinunter. Der Rechtsmediziner zeigte uns wie die rektale Temperatur gemessen wird und so der Todeszeitpunkt bestimmt werden kann. Die Körpertemperatur sinkt um 1°C pro Stunde. Dabei müssen aber die Umweltbedingungen beachtet werden. Eine Leiche in einer kalten Umgebung kühlt logischerweise schneller ab als eine Leiche bei Raumtemperatur. Bei jeder Leiche schaut man unter die Augenlider. Sie werden doppelt Ektropioniert d.h. umgeklappt. In der Ophthalmologie haben wir die einfach Ektropionierung gelernt. Bei der Leiche mach man es doppelt um zu sehen ob das Auge Punktblutungen aufweisst. Punktblutungen deuten auf einen erhöhten Druck hin und können auf Strangulation oder Ersticken hinweisen. Vereinzelt kann auch eine Punktblutung entstehen wenn der Mensch nicht gewaltsam erstickt wurde. Durch den Tod entsteht ein Hirnödem und der Druck steigt automatisch ein bisschen an. Diese Beurteilung erfordert viel Erfahrung.

Nach dem Kurs trafen wir eine andere Gruppe an der Tramhaltestelle und sie erzählten uns, dass während des Kurses einen „neue“ Leiche eingeliefert wurde die sich schon im Fäulnisstadium befand. Es sei eckelhaft gewesen! Ich fühlte mit meinen Kommilitonen. Gleich mit solch einer Leiche in die Rechtsmedizin einzusteigen stelle ich mir heftig vor.

Das war mein Tag. Leben und Tod so dicht beieinander. Ein Mensch kommt an ein anderer muss gehen…und so schliesst sich der Kreis.

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