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Am 6. Dezember habe ich mir selber ein Geschenk gemacht. Keinen Lebkuchen, keine Schokolade oder sonst irgend eine Leckerei, die man sich am Samichlaus gönnt. Nein, ich hab mir ne OP gegönnt🙂

Letztes Semester hatten wir Ophthalmologie-Kurs. Da die Ophthalmologie auch ein teilweise chirurgisches Fach ist habe ich gleich zu Beginn gefragt ob unser Kursleiter einen Besuch im OP organisieren könnte. Ich sprach für alle, da ich davon ausging dass sich auch die anderen Studis für eine Augen-OP interessieren würden. Es meldeten sich auch 5 Interessenten. Der Kursleiter versprach uns, dass er es versuchen wolle.

Einen Kursnachmittag vor der OP bat er alle, die an der Operation teilnehmen wollen noch kurz zu bleiben. Er wollte uns schnell die Patientin und das Krankheitsbild vorstellen. Überraschenderweise verliesen nach dem Kurs aber alle den Raum und nur ich blieb noch übrig. Es hatte sich herausgestellt, dass wir nicht an die OP konnten in der Zeit wo der Kurs stattfindet sondern ausserhalb der Kurszeit. Da war der Reiz der OP natürlich schnell verflogen. Ausser bei mir. Unser Kursleiter fand es etwas frech von den anderen sich erst zu melden und dann zu kneifen. Für ihn war die Organisation auch aufwändig gewesen Ich verstand ihn. Doch diese Änderung hatte ziemlich coole Konsequenzen für mich. Ich durfte mit an den Tisch und mir die OP durch das Mikroskop anschauen.

Am 6. Dezember war es dann soweit. Der Doc holte mich ab und lieferte mich bei der Frauenumkleide ab. Ich hüllte mich in zeitloses Chirurgen-Grün🙂 und betrat den OP-Bereich. Zuerst musste er mir erklären wir man sich steril wäscht. Anders als in den amerikanischen Arztserien wäscht man sich hier nicht sondern desinfiziert sich die Arme und Hände mit Desinfektionsmittel. Stufenweise. Zuerst ganz bis hinter die Ellenbogen, dann den Unterarm, dann Hand mit Handgelenk und zuletzt nur noch die Hand. Im OP wurde ich dann angezogen und bekam Handschuhe. Meinen Hocker durfte ich dann nicht mehr mit den Händen berühren und ich hatte leichte Schwierigkeiten mich an den Tisch zu rollen😀 Ich sass dann auch etwas unbequem. Aber so eine Operation geht auch nur 45 Minuten.

Die Patientin hatte ein Pterygium. Mein Ophthalmologie-Skript definiert es folgendermassen:

Ein Pterygium (auch: Flügelfell) besteht aus fibrovaskulär degenerierter Bulbuskonjunktiva, die dreieckförmig auf die Hornhaut vorwächst.
Besonders häufig in südlichen Ländern sowie bei Menschen, die viel im Freien arbeiten (Landwirte, Seeleute, etc.). 

Es wird auch „surfer eye“ genannt. Vielleicht blüht mir das auch mal.😀

Auf YouTube hat es einige Pterygium-OPs zum angucken. Ich hab mich vor der OP ein bisschen schlau gemacht um nicht ganz unwissend dazustehen. So konnte ich den Doc am Ende der OP fragen ober er Fibrinkleber benutzt oder nur näht. Er hat sich seine eigene Technik angewöhnt und macht beides. So gäbe es weniger Rezidive und das Transplantat halte besser. Es sei ja nicht zeitaufwändig, die paar Stiche. Fand ich gut.

Aber mal von vorne. Die Patientin ist wach und das Auge wir nur lokal betäubt mit Tropfen und einem unter die Hornhaut gespritzten Anästhetikum. Die Pupille der Patientin wird mit einem Schwämmchen bedeckt, damit sie nicht geblendet wird. Dann wird das Pterygium langsam mit einem Skalpell und einer Schere vom Bulbus abgelöst bzw. abgekratzt. Da das Pterygium selbst durchblutet ist blutet es ziemlich stark. Nachdem alles abgekratzt ist wird von einer intakten Stelle ein Bindehaut-Transplantat abgeschnitten und der Defekt bedeckt. Dieses Transplantat wird mit Fibrinkleber und etwa 6 Stichen befestigt (ich hab vergessen wie viel es genau waren). Die Bindehautstelle, die nun frei liegt heilt innert Stunden ab und ist vom Oberlid bedeckt. Es ist wichtiger die Stelle zu bedecken wo das Pterygium entfernt wurde.

Als der Doc am nähen war bat er doch plötzlich die OP-Schwester mir die Schere zu geben. Ich durfte einen Faden abschneiden. Das hört sich jetzt simpel an. Aber durch das Mikroskop schauen und dann noch diesen Minifaden zu treffen war sau schwer😀 Hat aber Spass gemacht!

Nach 45 Minuten war die OP leider auch schon vorbei. Die Patientin war froh aber ich hätte locker noch eine machen können🙂 Als Souvenir hab ich die OP Haube nach Hause genommen. Ja ich weiss, total kindisch….who cares!!😀