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Pädiatriekurs!!🙂

Wie schon meinen Hausarztpraktikumsberichten zu entnehmen war, mag ich Kinder als Patienten sehr gern.  Dieses Semester habe ich acht mal Pädiatriekurs in einem Kantonsspital eines Nachbarkantons von Zürich.

Nach 1h Zugfahrt kamen wir im Kinderspital an und wurden erstmal zwischen dem Chefarzt und einem Oberarzt aufgesplitet. Der Oberarzt war lustig und locker drauf und zeigte uns an einem 2 Wochen alten Buben wie man einen Säugling untersucht. „Bei Kindern müsst ihr immer nehmen was ihr kriegen könnt! Jetzt schläft er gerade, also hören wir zuerst das Herz ab. Wenn er schreit könnt ihr das nicht“ Recht hat er und so hörten wir alle auf das kleine Herzchen. Sehr schnell. 130-150 Schläge pro Minute wenn sie so klein sind. Danach gingen wir die wichtigen Untersuchungspunkte durch. Observation, Palpation, Auskultation. Vor allem auf das Hautkolorit und seine Bedeutung legte er grossen Wert. Danach lernten wir ein kleines Mädchen kennen welches wirklich sehr gelb war. Das konnte man leicht erkennen. Sie war aber schon einige Monate alt und war wirklich zu alt für einen physiologischen Ikterus verursacht durch den Blutumbau (fetales Hämoglobin wird gegen adultes Hämoglobin ausgetauscht) Dieser Prozess ist bis zum 3 Lebensmonat abgeschlossen und sie war schon um einiges älter. Ein Ikterus in diesem Alter weisst auf eine Gallengangsatresie hin. Ein angeborenes Fehlen oder ein angeborener Verschluss der Gallengänge. Die Galle aus der Leber läuft falsch ab. Nun hatte man schon versucht die Kleine zu operieren und die Gallengänge direkt an die Leber anzuschliessen, das hat aber nicht geklappt. Nun bekommt sie bald eine neue Leber.

Dann wurden wir getauscht und dem strengen Chefarzt übergeben. Er zeigte uns ein Kind in der Isolation. Wir mussten uns deshalb Kittel, Mundschutz und Handschuhe anziehen. Ich bin fast verschmachtet🙂 Der kleine Patient hatte eine Lungenentzündung. An seinem Bett ging der Chef mit uns das ABC durch wobei ich bemerkte, dass ich die Definition eines Atemnotsyndroms vergessen hatte. -_- Also: 1. expiratorisches Stöhnen 2. Einziehungen 3. Nasenflügeln 4. Zyanose 5. Tachypnoe. Hoffentlich vergess ich das nicht wieder🙂 Der Kleine hatte praktisch alles ausser der Zyanose. Aber er hing auch am Sauerstoff.

Weiter gings zum nächsten kleinen Patienten. Ein besonderer Fall. Nur wussten wir das noch nicht. Wir bekamen die Aufgabe bei dem Kleinen die Hände, Füsse und den Brustkorb zu untersuchen. Ich hatte keinen Plan. Das einzige war mir auffiel war die Unterernährung. Er hatte extrem dünne Ärmchen und Beinchen. Sein Bauch war ziemlich aufgebläht. Nachdem ihn alle untersucht hatten wollte der Chef die Diagnose. Keiner hatte eine Ahnung.🙂 Also forderte er uns auf uns die Hände zu schütteln. Wir waren etwas verwirrt🙂 Er zeigte es uns vor. Griff meine Hand und schüttelte sie, dabei strich er mit Daumen und Zeigefinger der anderen Hand an meinem Handgelenk entlang. Was fühlt man da bei einem gesunden Menschen? Nur die Enden von Elle und Speiche, sonst nichts. Bei einem Kind mit Rachitis spürt man dort eine Vertiefung. Eine Vertiefung an den aufgetriebenen Knochenenden. Am Brustkorb sind die Knorpel-Knochen-Übergänge aufgetrieben und die Kinder weisen einen Art „Rosenkranz“ auf. Typische Zeichen für eine Rachitis! Der Kleine hatte Rachitis. Ein Mangel an Vitamin D welcher zu diesen Veränderungen an seinem Knochen führte. Wie kam es dazu? Er hatte etwas Pech. Als vom Stillen auf faste Nahrung gewechselt wurde trat seine Zöliakie zu Tage und er nahm deshalb nicht mehr alle Vitamine auf. So entstand die Rachitis und er stoppte in der Entwicklung. Bis er im Kinderspital ankam hatte niemand die Rachitis diagnostiziert. Sieht man heute einfach sehr selten. Der Kleine hatte darum so ziemlich jeden Kinderarzt des Spitals gesehen und war mittlerweile entsprechend gelaunt🙂

2h waren rum und wir wurden entlassen. Nächstes Mal geht’s zu den Kinderchirurgen🙂