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Juhu! Am Freitag durfte ich wieder zum Hausarzt!^^ Als ich in die Umkleide reinplatze erwischte ich ihn gerade beim Hosen anziehen…peinlich peinlich^^ Aber egal!

Der Tag erinnerte mich an meinen ersten Tag bei ihm. Eine bunte Mischung aus Patienten, darunter auch ein paar ganz spezielle Fälle. Unsere erste kleine Patientin war gerade mal 4 Monate alt. Och sie war soo süss^^ Hat gar nicht geschrien. Diesmal traute ich mich auch ran und hörte mir das Herzchen der Kleinen an. Klingt schon eindrücklich, die 120 Schläge in der Minute. Wie ein kleiner Galopp. Der Doc und die Mutter entschieden dann mit den Impfungen zu beginnen. Die Kleine erhielt also gleich den 5-fach Cocktail namens Infantrix. Darin sind Diphterie, Tetanus, Pertussis, Pneumokokken und Hämophilus influenzae enthalten. Manche Ärzte impfen auch gleich noch die Meningokokken, aber der Doc meinte in der Schweiz sei dies nicht gleich in den ersten Lebensmonaten nötig. Ausser man würde auf eine grosse Reise gehen. Nach dem die Kleine die Spritze in den Oberschenkel bekommen hatte, ging der Krach los^^ aber sie hatte sich schnell wieder im Griff.  Sehr tapfer.

Nach dem niedlichen Start kamen die üblichen Quick-Kontrollen. Patienten mit blutverdünnenden Medikamenten müssen regelmässig zum Hausarzt um ihren Quick-Wert zu kontrollieren. Der sollte je nach Diagnose immer zwischen 35-50% liegen, wobei 50% dann schon nicht mehr ok ist. Die Gerinnungsgefahr also die Thrombosegefahr steigt mit jedem Prozentpunkt an.

Dann kam eine neue Patientin zum Doc. In seinen Dokumenten hatte er schon eine Anamnese des Spitales und die Liste war 4 Seiten lang! Neben Mamma-Ca beidseits mit Brustentfernung beidseits hat die Dame aktuell eine Leberzirrhose, Ödeme an den Beinen (ich hab so was noch nie gesehn!! Krass!) Hyperkortisolismus (ihr Körper produziert zu viel Kortisol, dass mach ganz dünne pergamentartige Haut und natürlich ein Haufen anderer Probleme), Niereninsuffizienz, Osteoporose etc etc! Der Doc untersuchte sie von oben bis unten. Dabei zeigte er mir die krassen Ödeme an den Waden und da passierte es….Er drückte mit seinem Daumen ein kleine Delle in das Bein der Frau um mir die Stärke der Ödeme zu demonstrieren, dabei riss sein Nagel die Haut ein (und er hatte echt kurze Nägel!) sogleich begann es zu bluten! Wir tupften ab und klebten ein Pflaster drauf. Doch das Pflaster reichte bei weitem nicht! Es wurde weggespült und zwar von dem Wasser das aus der Wunde herauslief. Die Ödeme in dem Bein hatten endlich eine Weg nach draussen gefunden und nun lief ihr das Wasser in einem kleinen Rinnsal aus der Wade! Und es hörte nicht mehr auf. Wir legten ihr dann schnell einen guten Verband an, vorsichtig um nicht noch mehr der Pergamenthaut zu verletzen. Der Doc verschrieb ihr dann auch Lasix um die krassen Ödeme zu behandeln. Wahrscheinlich geht’s ihr jetzt schon viel besser. Nachdem die Patientin gegangen war, erzählte er mir, dass die Pflegerinnen aus dem Altersheim ihm mal so einen Fall geschildert hätte wo der Patientin Wasser aus einer Wunde lief, aber er hätte es ihnen nicht abgekauft. Nun sei er schlauer!^^ Ja, nicht nur er^^ Es war ziemlich eindrücklich!

Dann ging’s weiter mit einer jungen Patientin. Gerade mal 14 Jahre alt. Bei ihr hatte man einen Atemtest gemacht um herauszufinden ob sie eine Laktoseintoleranz hat. Leider fiel das Ergebnis positiv aus und wir mussten ihr das jetzt schonend beibringen. Sie fand’s aber nicht so schlimm weil sie es schon erwartet hatte. Nach dem Test ging es ihr sehr schlecht. Die Mutter erzählte mir, dass sie jetzt genau die Produktebeschreibungen lese und sie sei geschockt wo es überall Laktose drin habe! Sogar im Schinken! Das erstaunte sogar mich. Und natürlich sind diese Produkte dann auch sehr teuer.

Später gegen Abend lernte ich meine erste Alzheimerpatientin kennen. Der Doc betreut sie schon eine Zeit lang und bewundert den Ehemann für seinen Geduld und seine Führsorge. Der Ehemann fragte dann ganz genau nach wenn er etwas nicht verstanden hatte und der Doc zeigte ihm alles ganz genau auf den MRI Bildern. Es bestand nämlich ein Verdacht auf Streifung oder Hirnblutung. Aber es war alles in „Ordnung“. Die MRI-Bilder beeindruckten mich. Die Hirnwindungen sind sichtbar geschrumpft und die Vertiefungen zwischen den Gyri verschwinden langsam. Man sieht genau, dass dies ein Alzheimergehirn ist.

Dann war der Tag auch schon wieder rum. Jetzt hab ich noch zwei Praktika beim Doc. Am letzten Tag gehe ich mit auf Altersheim-Besuch. So hab ich wirklich das ganze Spektrum der Hausarztmedizin kennengelernt.