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Heute war mein erster Tag beim Hausarzt. Ich hab mir einen in meinem Nachbardorf ausgesucht. Das hat den super Vorteil dass ich Abends extrem schnell daheim bin^^ I like!

Um 14 Uhr musste ich dort sein. Mein Zug kam etwas früher an und so konnte mir der Arzt noch in Ruhe die Praxis zeigen bevor die ersten Patienten eintrudelten. Ich glaub ich kann die Praxis gar nicht so gut beschreiben um ihr gerecht zu werden. Sie strahlt die Aura eines Trödelmarktes aus. Oder einer Warenhausdekoabteilung. Der Arzt hat extrem viel rumstehn, an den Wänden hängen, von der Decke baumeln, in Regalen liegen oder auf Tischchen stehen. Erst dachte ich „oh je“ aber dann merkte ich wie heimelig diese Praxis ist. Er meinte das es beruhigend auf die Patienten wirkt und da er sehr viele Kinder habe sei es auch nicht schlecht.

Ich hab mir heute den perfekten Tag ausgesucht um einen ersten Einblick in dieses Tätigkeitsfeld zu bekommen^^ Wir hatten alles!^^ Kinder mit Impfungen, Rückenschmerzen, Psychische Probleme, krasse Muskelverspannungen, Varizen, Prostatavergrösserungen, Mittelohrentzündung, einen Notfall der sich tief in den Finger geschnitten hatte, chronische Patienten, Blutdruck, Harnweginfekte und natürlich Blutverdünnerkontrollen. Aber alles der Reihe nach…

Am häufigsten waren heute die kleinen Kinder. Die Leute, die hier schon eine Zeit lang lesen, haben sicher mitgekriegt dass ich nicht so Kinder-Fan bin, vor allem wenn sie in Zügen rumschreien und ich müde bin. Aber im medizinischen Bereich macht es mir eigentlich nicht viel aus. Das hatte ich schon damals im Krankenpflegepraktikum auf der Geburtenstation bemerkt. Da finde ich sie einfach nur süss und will sie trösten wenn sie schreien. Die erste kleine Patientin war genau so ein kleiner Schreihals. Sie musst geimpft werden und fand das dann nicht so cool^^ Dafür war der zweite Kleine cool wie Shaft! Der hat sich nichts anmerken lassen und immer mich angestarrt. Wahrscheinlich hat er sich gefragt, wer die Tussi im weissen Kittel ist^^ Das Geschwister-Pärchen, dass wir gegen Abend gesehn haben war auch zuckersüss. 12 und 24 Monate alt. Beide mussten geimpft werden. Leider hat die Grosse mitgekriegt als die Kleine geimpft wurde und die hat natürlich geschrien. Danach hatte sie Angst und liess den Doc fast nicht ran. Sogar als er das Pflaster draufkleben wollte  hat sie geschrien wie am Spies und sich gar nicht mehr eingekriegt. Da war er dann der Böse^^

Von den anderen Fällen fand ich die Mittelohrentzündung noch eindrücklich. Ich hatte noch nie so ein entzündetes Trommelfell gesehn…ich hatte überhaut noch nie ein Trommelfell gesehn^^ In der Uni hatten wir gelernt, dass man wegen AB Resistenzen die Mittelohrentzündung zwischen bakteriell und viral abgrenzen muss. Ich frage also wie man das macht. Der Doc meinte dann, dass er das nie mache weil das meistens dazu führe, dass Kinder nochmal auf den Notfall müssen weil es halt doch bakteriell war und nun die Trommelfelle durchgefressen wären. Das sei nicht schön und täte sau weh!

Eine Dame mit Harnweginfekt kam in die Kontrolle. Ein Blick in die Krankengeschichte zeigte, dass sie schon letzte Woche wegen des HWI da war. Ihr Urin hatte sich aber trotz Antibiotika nicht verbessert. War war da los? Ganz klarer Fall von Antibiotikaresistenz. Die Viecher reagierten nicht auf das Baktrin und es wurde jetzt auf Ciprofloxacin umgestellt.

Dann hatten wir noch zwei Hypochonder. Das klingt jetzt ein bisschen fies, aber ist halt so. Diese Patienten brauchen einfach etwas Aufmerksamkeit oder sind faul und wollen nicht arbeiten. Beide Versionen bekam ich heute zu Gesicht. Da hab ich auch mal ein bisschen das Stethoskop drauf gehalten. So wurde das Patient von zwei „hochqualifizierten“ Ärzten begutachtet und das ist gut für die Psyche^^

Desweiteren hab ich heute gelernt, dass für krasse Betäubungsmittel spezielle Rezepte ausgestellt werden. Da bekommt der Kantonsarzt jedes mal eine Meldung wenn eine Ladung von den Medis herausgegeben wird.

Eine junge Dame, 22 Jahre alt, kam um ihren Fuss zu zeigen. Sie hätte eine Schwellung die immer grösser werde und es schmerze sie beim Sport. Sie zieht den Socken aus und der Doc guckt drauf und palpiert. Er zeigt es mir und ich erkenne es auch sofort. Es ist eine Vene. Genauer gesagt eine Krampfader. Die Patientin war etwas geschockt^^ Mit 22 erwartet man nicht gerade einen Krampfader.

Am späten Nachmittag kam ein Notfall rein. Ein junger Handwerker hat versucht ein frisch geschliffenes Metalteil aufzufangen, dass ihm runterfiel. Leider war das Teil so scharf, dass er sich tief in den Daumen geschnitten hat. So tief, dass er den Nerv erwischt hatte. Die mediale Sensorik des Daumens war futsch. Der Doc konnte deshalb nicht viel ausrichten und schickte ihn sofort ins Spital. Diese Wunde musste mikrochirurgisch versorgt werden. So kann der verletzte Nerv wieder zusammengenäht werden.

Ihr seht, ich bekam heute ein buntes Potpourri an Patienten vorgesetzt. Ich wurde sogar zwei Mal gelobt. Einmal für den Normalwert der kindlichen Herzfrequenz. (120 Schläge/min) und das zweite Mal weil ich das von-Hochstetter-Dreieck kannte. Auch den Babinski-Reflex konnte ich erklären und warum die Kinder erst nach 9 Monaten zu laufen anfangen. Alles Sachen, die gar  nicht so schwer sind. Was hat er wohl schon alles für Studis gehabt?^^ Am Abend um 19 Uhr ging ich und er meinte, es hätte noch  nie ein Student oder eine Studentin so lange durchgehalten. Es hätte mich wohl interessiert.

Fazit: Ich freue mich aufs nächste Mal! Diese bunte Mischung an Patienten hat irgendwie schon noch ihren Reiz. Und das Wissen das man haben muss ist enorm! Guckt euch das nächste Mal das Bücherregal eures Hausarztes an. Da steht von fast jeder Fachrichtung ein Buch auch wenn es noch so dünn ist^^