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Am Samstag stand ich um 7 Uhr auf. Zwischen 7 Uhr und 8 Uhr gab es Frühstück. Ich hatte nen riesen Hunger, da wir am Freitag Abend nur schnell ein Sandwich im Zug gegessen hatten und nichts vernünftiges. Nach 3 Tassen Kaffee war ich dann auch fit genug den Vorträgen zu lauschen. Der erste wurde vom Leiter von Schutz und Rettung Zürich gehalten und drehte sich im allgemeinen um Notfallsituationen und das korrekte Vorgehen. Der zweite Vortrag wurde von einem Rettungshelfer der REGA gehalten. Er stellte die REGA vor und erzählte von ihrer Arbeit. Nach den Vorträgen versammelten wir uns auf dem Lastwagenwendeplatz. Ich ahnte nicht was jetzt kam. Hätte ich es geahnt hätte ich den Fotoapparat mit rauf genommen. Der Rega-Rettungshelfer erklärte uns das Verhalten, wenn der Heli landet und wies uns an alles was wegfliegen könnte zu verstauen. Es würde dann etwas windig werden. Oh man, die Untertreibung des Jahres! 🙂 Dann kam er. Ein Studi von Fribourg durfte den Helikopter einweisen. Er flog über uns hinweg und drehte sich so, dass er die Sonne im Rücken hatte. Dann setzte er ca. 1m vor meinem Studien-Kollegen auf dem Boden auf. Der Wind war gewaltig. Danach durften wir uns den Heli anschauen und die Crew ausquetschen. Ich nahm mir den Notarzt vor und fragte ihn zu seinem Werdegang aus. Es ist ein langer Weg! Er hat ursprünglich Anästhesie gemacht und dazu ganz viele verschiedene Rotationen zb. Pädiatrie, Intensiv, Innere, Chirurgie etc. Wenn ich dann in vielen Jahren mal meine Assistenz antrete, werd ich mich sehr genau informieren, was ich alles brauche für den Notarzt 🙂 Aber jetzt hab ich wenigstens ne gewisse Vorstellung. Nach ca. 1h verliess uns die REGA-Crew wieder. Leider! Aber wir lagen schon eine Stunde hinter dem Zeitplan.

Wir versammelten uns in die eingeteilten Gruppen und begaben uns zum 1. Posten. Den ersten Kurs hatten wir beim Leiter von Schutz und Rettung Zürich. Ein lustiger Typ voller Energie. Die Situation war folgende. Einer von uns machte den Figuranten und spielte einen Mann der von der Leiter gefallen war und dabei eine Scheibe zerbrochen hatte. Nun steckte eine grosse Scherbe in seinem rechten Arm und das Blut spritzte nur so. Wir hielten sofort den Arm hoch und versuchten abzudrücken. Das reichte nicht und wir legten einen Druckverband an. Das reichte auch fast nicht, aber wir hatten sonst nix mehr. Wir versuchten dann das ABCDE schnell durchzumachen um nichts zu übersehn. Trotzdem zogen wir bei E (Exposure) das Tshirt nicht hoch und verpassten die Scherben in seinem Bauch. Wenigstens hatten wir diesmal frühzeitig die Rettungskräfte alarmiert. Danach besprachen wir die Übung und der Instruktor meinte, dass wir den Arm ruhig ganz hätten abbinden können. Ein Arm übersteht eine Stunde ohne Blut.

Danach gings zum Mittagessen. Ich hatte einen Riesenhunger, da das Frühstück auch schon 5h zurücklag. Nach dem Essen gings weiter mit der Postenrotation. Wir lernten wie man jemand auf ein Spine Board lagert und richtig festbindet und der Nacken richtig gestützt wird. Ausserdem lernten wir die unterschiedlichen Pneumothorax-Formen und ihre Symptomatik kennen. Ich hoffe ich habe nie einen Spannungspneumothorax vor mir und keine Nadel dabei. Der letzte Posten war Infusionen-stechen! Ich fands super! Leider hab ich nicht getroffen, aber wenigstens weiss ich  nun wies geht und wie man eine Infusion vorbereitet. Ich selber wurde nicht gestochen, da meine Venen zu faul waren um sich zu zeigen. Ich hatte schon den ganzen Tag kalt und zu wenig getrunken, da war klar, dass man bei mir nix findet.

Danach gings zum Abendessen. Ich hatte diesmal keinen Hunger, da ich am Mittag ne riesen Portion Spaghetti verdrückt hatte 🙂 Nach dem Essen hatten wir einen Vortrag über MANV (Massenanfall von Verletzten) und langsam kristalisierte sich das Thema der Nachtübung heraus. Um 22 Uhr gings los. Mit Notfalltaschen, Spineboards und Halskragen bewaffnet machten wir uns auf den Weg zum Unfallort. Wir wurden per Funk angefordert. Es waren also schon Leute vor Ort und versuchten die Situation in den Griff zu bekommen. Der Einsatzleiter teilte die Teams ein, es wurden die Sammelplätze für die Kategorien I, IIa, IIb und IV („Hoffnungslose“) festgelegt. Ein Team wurde für die Pre-Triage losgeschickt. Mitlerweile war die Rauchentwicklung in der Gefahrenzone so stark, dass diese nicht mehr betreten werden durfte. Die Feuerwehr hatte auch Verspätung weil sie von einem Baum blockiert wurde. Wir sammelten also erst die Fälle, die weiter verstreut waren eine uns schafften sie zum Sammelpunkt. Es hatte offene Frakturen, Schädelhirn-Traumata, Verbrennungen und auch schon einige Tote. Insgesammt waren es etwa 30 Patienten. Ich verbrachte den Grossteil der Übung damit Patienten mit Spineboards zur Sanitätsstelle zu schaffen. Ein Besoffener machte uns extreme Schwirigkeiten und wir konnten ihn nicht festbinden, da er so viel Kraft hatte. Dann war die Übung beendet. Nach 1h 15min. Mir kams kürzer vor.

Nach der Übung versammelten wir uns im Theorieraum und tranken heissen Tee. Anschliessend wurde die Übung besprochen. Einer der Leiter hatte minutiös die Zeiten aufgeschrieben wann was passierte. Wann die ersten Rettungkräfte vor Ort waren, wann der erste Patient behandelt wurde, wann der erste abtransportiert wurde, welche Krankenhäuser wieviele Patienten aufnahmen, wieviele per Heli weggebracht wurden etc. Ich wusste nach der Übung nicht mal wo der Abtransportplatz war, aber es gab offenbar einen. Eine solche Situation ist der Wahnsinn! Wir hatten jetzt nur 30 Verletzte, das ist nichts im Vergleich zum Zugunglück von Eschede mit 101 Todesopfer, 106 Schwerverletzten, 88 leicht oder unverletzten Personen und 650 Helfern. Gut das bei uns alles nur gestellt war *puh* Nach der Besprechung gab es noch Dessert (Schoggi-Creme). Wir assen sie schnell und gingen uns dann duschen. Zwischen 00.00 und 00.30 war Frauen-Duschzeit 🙂 Ich hatte trotz der Kälte extrem geschwitzt und war über ne warme Dusche froh. Danach ging ich ins Bett. Ich schlief wie ein Stein!

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