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Heute war ein nervenaufreibender Tag. Alle waren gereizt und blaften sich ständig gegenseitig an. Keine angenehme Atmosphäre. Deshalb bin ich froh, dass jetzt Wochenende ist.

Ich half heute vorallem auf der Notfallstation. Es mussten die Akten für kommende Woche rausgesucht werden. Dieser Job ist mühsam. Es kann sein, dass sich die Mäppchen im Ambulanzsekretariat oder in der Ärzteablage im Postbüro befinden. Wenn sie nicht dort sind, sind sie entweder beim Diktieren in einem Arztbüro und man kommt nicht an sie ran. Für die Mitarbeiter auf dem Notfall ist es mühsam, wenn die Krankengeschichte unauffindbar ist. Noch blöder ist es wenn positive Laborbefunde vorliegen und man findet die Patientenakte nicht um die Werte hineinzulegen damit die Patientin informiert werden kann. Heute war ich jedenfals sehr erfolgreich und hab fast alle Mäppchen gefunden.

Nach dem Frühstück kümmerte ich mich um die Essensbestellung und kam dabei mit einer Patientin ins Gespräch. Ich erzählte ihr, dass ich hier mein Krankenpflegepraktikum absolviere und Medizin studiere. Plötzlich fing sie an von Gott zu sprechen und das jeder Mensch zu seiner Lebensaufgabe berufen wird. Ich wurde also von Gott auserwählt Ärztin zu werden. Super Sache, dann muss ich ja nicht mehr lernen 🙂 Nein Spass beiseite, ich finde es wichtig in einem Beruf wie diesem an eine höhere Macht zu glauben. Ich denke man würde sonst an den Schicksalen die einem begegnen werden kaputt gehen. Ich bin nicht extrem gläubig, aber ich glaube das eine höhere Macht existieren könnte, egal wie man sie nennt.

Nach diesem spirituellen Ausflug wurde es auch bald Mittag und der Essenswagen kam. Eine junge Patientin, die gerade aus dem OP kam, hatte riesen Kohldampf 🙂 Für sie war aber leider kein Essen bestellt worden, da die operierten Patientinnen normalerweise erst um 14 Uhr aus dem Aufwachraum kommen. Heute herrschte dort aber riesen Verkehr und die Patientinnen wurden viel früher als sonst auf die Station zurück gebracht. Ich versprach ihr eines der Reserveessen, die wir immer bestellen. Blöderweise war aber auch das Chemotherapie-Zimmer voll und dort wollte auch gegessen werden. 5 Patientinnen 4 Reserve Essen. Hm… Als der Essenswagen kam wollte ich das versprochene Reserveessen (Rindsgeschnetzeltes mit Polenta) holen. Meine Betreuerin wollte es aber nicht rausrücken.

Ich: „Ich habe ihr aber das Rindsgeschnetzelte versprochen“

M: „Die Frauen im Chemo-Zimmer wollen aber auch essen“

Ich: „Dann biete ihnen doch noch den Salatteller von Frau B. an. Sie ist schon gegangen“

M: „Nein, diese Frauen bekommen dieses Essen“

Ich: “ Das spielt doch keine Rolle. Ich habe es ihr versprochen. Weisst du was, ich nehm dir das Essen jetzt einfach weg, dann kannst du es nicht verteilen“

Und so hab ichs auch gemacht. Was soll der Scheiss!! Eine stationäre Patientin soll auf ihr versprochenes Essen verzichten? Die Chemo-Frauen können nachher ja heimgehn und noch was richtiges Essen, wenn der Salatteller nicht gereicht hat. Ausserdem hatte es ja noch 3mal Gulasch. Es musste also nur eine Patientin Salat essen und die schien nicht unglücklich zu sein. Egal, ich war zufrieden mit mir. So ein Schwachsinn wirklich! Beim Mittagessen meinte einer der Pflegefachfrauen, dass ich richtig entschieden hätte.

Später am Nachmittag traf ich noch eine alte Bekannte vor dem Aufzug. Sie hatte einen riesen Bauch! Im 8. Monat! Ich hatte sie bestimmt 5 Jahre nicht mehr gesehen und war erstaunt, dass sie schon seit 2 Jahren verheiratet ist und jetzt ein Baby bekommt. Man hat nie etwas von ihr gehört, obwohl sie mal mit meiner Schwester ne WG hatte. Das Leben rasst einfach so an einem vorbei.

Ich geh jetzt ins Bett und freue mich darauf morgen auszuschlafen 😀

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