Schlagwörter

, , ,

Vorgestern habe ich die Formulare für einen Patientinneneintritt zusammengestellt und gesehn welche OP ansteht. Es handelte sich um eine Tumorektomie an beiden Brüsten mit Entfernung der Lymphknoten rechts und einem Sentinel links. Ich setze mich an den Computer im Stationszimmer und guckte nach, was ein Sentinel ist. Die ganze OP klang spannend und ich ging zur Stationsleitung und fragte sie ob ich die OP anschauen dürfte. Sie versprach mir nachzufragen und es klappte. Heute morgen um 7 Uhr gings also in den OP.

Erst musste ich in der Garderobe meine Pflegerinnen-Klamotten gegen die coolen blauen OP-Klamotten tauschen. Haube auf und Mundschutz umgebunden, führte mich die OP-Schwester zum OP 1, in dem die Operation stattfand. Die Anästhesie war schon da und bereitete alles vor. Ich stellte mich in die Ecke um nicht im Weg zu sein. Da gleichzeitig an der rechten und linken  Mamma und Axilla operiert wurde war der Operationssaal ziemlich vollgestopft. Auf beiden Seiten standen ein Arzt, eine Assistenzärztin oder UHU (Unterassistentin) und die OP-Schwestern. Hinter dem Vorhang ein Anästhesist und eine Anästhesie-Schwester.

Nach dem die ganzen Instrumente ausgepackt waren gings los. Erst wurde auf der linken Seite der Sentinel gemacht. Der Arzt injizierte den Farbstoff Patentblau und identifizierte so die Lymphknoten, die am nächsten zur Brustdrüse liegen. Dies sind natürlich die ersten Lymphknoten, welche Metastasen abbekommen. Der Chirurg schnitt zwei Lymphknoten raus. Die gingen sofort in die Pathologie wo ein Schnellschnitt gemacht wurde. So erfährt das operierende Team ganz schnell was Sache ist. Sind die Sentinels beide „verseucht“ werden alle Lymphknoten in der Axilla entfernt um eine Ausbreitung der Krebszellen via Lymphabfluss zu verhindern. Bei unserer Patientin war auf der linken Seite zum Glück alles in Ordnung. Auf der rechten sah es nicht so rosig aus. Die Chirurgin entfernte sehr viel Brustgewebe und schnitt alle Lympfknoten aus der Axilla raus. Dies war jedoch schon vorher klar, sonst hätte man dort auch einen Sentinel gemacht.

Am Anfang der OP stand ich an der Wand und konnte kaum etwas sehen. Die Anästhesieschwester bemerkte das und bot mir an über den Vorhang, der das OP-Feld von der Anästhesie trennte, zuzuschauen. Ich stellte mich auf einen Schemmel und konnte so direkt auf das Operationsfeld blicken. Cool! 😀 Ein paar Mal wurde mir etwas schwindlig und ich ging kurz raus. Aber sonst fühlte ich mich eigentlich mehr oder weniger gut. Es war halt was total anderes! Vorallem der Kauter machte mir etwas Mühe. Der stinkt :-). Die Anästhesieschwester erzählte mir, dass es ganz schlimm sei, wenn die Chirurgen mit der Kauter-Schere den Thorax öffnen. Das rieche man bis zum Pausenraum rüber. Ui!

Nach über einer Stunde dann der Anruf von der Pathologie. Es musste noch etwas nachgeschnitten werden. Danach wurde zugenäht. Um 10 Uhr war die OP vorbei. Ich drücke der Patientin ganz fest die Daumen, das alles erwischt wurde und sie wieder gesund wird.

Ich wechselte dann den OP, weil nebenan in OP 3 ein Kaiserschnitt stattfand. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. 🙂 Eine Hebammen-Praktikantin war auch dort und wir stellten uns auf kleine Schemmelchen und blickten direkt auf den grossen Bauch. Erst wurde die Haut geschnitten und dann das Fettgewebe. Dann steckten der Arzt, die Unterassistentin und eine Hebamme die Hände in den Bauch der Patientin und rissen und dehnten den Einschnitt was ging. Es sah brachial aus! 🙂 Dann wurde der Uterus aufgeschnitten und das Baby rausgeholt. Das kam aber nicht freiwillig raus sondern wurde rausgezerrt und begann gleich darauf zu schreien 🙂 Brav 🙂 Drausen warteten schon die Kinderärzte auf das Kleine (Ich muss gestehen, dass ich keine Ahnung hab ob Mädchen oder Junge. Ich hab das Geschlecht nie gesehn, da es immer auf dem Bauch lag) 🙂 Der Kaiserschnitt wurde durchgeführt weil das Kind zusätzliche Herztöne hatte und man sich entschied es besser zu holen, als etwas zu riskieren.

Ich ging dann zurück in OP 1 wo der Anästhesist und die nette Anästhesieschwester die Narkose ausleiteten und Extubierten. Ich half noch kurz beim Panadol-Zäpfchen geben, da die eine OP-Schwester schon abgehauen war. 🙂

Danach zurück in den OP 3. Dort wurde gerade der Uterus zugenäht. Als die Naht beendet war verabschiedete sich der Oberarzt und gratulierte noch den frischgebackenen Eltern zum Baby. Zurück blieb die Assistenzärztin und die Unterassistentin. Sie kümmerten sich um die Hautnaht. Aber eine Naht war das nicht, der Bauch wurde geklammert. Erst war ich total geschockt und stellte mir schon die mega Horrornarbe vor! Aber die Schwester meinte, dass die Narbe mit den neuen Klammergeräten sehr fein und schön werde und man später nix sieht. Die Inzision war natürlich ruck zuck geklammert und der OP beendet. Mein Blick ging zum Sauger. Im Auffanggefäss befand sich 1.6 l rote Flüssigkeit. Ich stutze und überlegte, dass dies nicht nur Blut sein kann. Es wär viel zu viel und die Frau wär längst bewusstlos. Die OP-Schwester bemerkte meinen Blick und meinte, da wäre auch noch Fruchtwasser drin. Ah so!!! Alles klar 🙂

Als die neue Mami aus dem Zimmer gefahren wurde erzählte mir die Anästhesieschwester, dass in OP 1 gleich ein kurzer Eingriff stattfinden würde, bei dem die Patientin nicht intubiert sondern via Maske beatmet würde. Ich solle fragen ob ich beim beatmen helfen darf. Und ich durfte. Eine halbe Stunde hielt ich die Sauerstoffmaske und drückte den Beutel. Der Anästhesist stand immer neben mir und erklärte mir die Monitoranzeige. Die Patientin hatte bei selbständiger Atmung von Anfang an nur eine Sauerstoffsättigung von 91% Das ist echt wenig. Ein Blick auf das Anästhesieprotokoll zeigte warum. Die Frau ist Raucherin. Bei der 1. Op erzählte mir die Anästhesieschwester nämlich, dass sie bei einem Sättigungsabfall schon ab 94% in Alarmbereitschaft geraten, aber wenn ein Patient schon von Anfang an eine so tiefe Sättigung habe, sei das normal. Als ich sie beatmete stieg ihre Sättigung auf 100%.

Nach diesem kurzen Eingriff und meinem Ausflug in die Anästhesie zeigte die Uhr schon 12 Uhr Mittag und mein Magen knurrte. Das flaue Gefühl war verschwunden. Ich verabschiedete mich von den OP-Leuten und bedankte mich, dass ich zuschauen durfte.

Im Stationszimmer angekommen sprudelte es aus mir raus und ich erzählte der Pflegeschülerin alles. Nachher war meine Laune super! Und sie ist es jetzt noch 😀

Advertisements