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Um mir meinen Lebensunterhalt zu finanzieren arbeite ich bei der Privaten Hauspflege, die in der Schweiz kurz SPITEX heisst. Ich übe zwar keine pflegerische Tätigkeit aus, da ich dafür schlichtweg nicht qualifiziert bin. Nein, ich arbeite als Pikettdienst (Bereitschaftsdienst) in einer Alterwohnsiedlung. Meine Nacht ist am Mittwoch. Seit ich dort arbeite (seit Dezember 2008) hatte ich noch nie einen Notfall oder einen Alarm bei dem ich handeln musste. Zweimal hatte ich Fehlalarm. Alles halb so wild.

Dann am letzten Mittwoch, nachdem gerade die Emergency Room Folge zu Ende war und ich mich gemütlich in mein Bett gekuschelt hatte mit der Absicht einzuschlafen, läutete der Pager! Erst war ich verwundert, dann kam der Adrenalinstoss und ich zog mich hecktisch an, schnappte mir die Tasche und den PP-Schlüssel und machte mich auf zur Wohnung.

In der Wohnung angekommen, stellte ich erstmal erleichtert fest, dass es sich nicht wirklich um einen Notfall handelte. Der Mieter sass auf dem Klo und hatte Probleme beim Stuhlgang und Bauchschmerzen. Ich putzte erst den Boden und zog ihm das Bett neu an. Dann weckte ich meine Chefin via 24h Zentrale in Zürich. Sie meinte ich solle erst den Hausarzt verständigen, dann den Notarzt und wenn gar nichts mehr ginge, die Ambulanz anrufen. Beim Hausarzt kam das Band, welches mich auf den Notarzt verwiess. Der Notarzt der diese Nacht Dientst hatte war die Oberärztin der Notaufnahme in der Nachbarstadt. Die konnte natürlich nicht weg und meinte schroff zu mir, dass ich ihn entweder herbringen soll oder die Ambulanz anrufen. Na Dankeschön! Was macht es für einen Sinn einen Notarzt einzusetzen, der nicht mobil ist?? Versteh ich nicht. Ich versuchte dann noch den Sohn des Mieter anzurufen, aber ihn erreichte ich auch nicht. Schliesslich rief ich die Ambulanz und der nette alte Mann wurde ins Spital gebracht. Wahrscheinlich war es total übertrieben die Ambulanz zu rufen, aber er wollte umbedingt jetzt sofort zum Arzt und diesem Wunsch bin ich gefolgt. Er schien dann auch ganz zufrieden zu sein, als er in eine Decke eingekuschelt auf der Trage lag. Und ich hatte die Gewissheit, dass er gut versorgt wird und mich sicher nicht mehr aus dem Schlaf klingelt. Somit war auch ich zufrieden.

Nach 1.5 h Einsatz lag ich wieder gemütlich in meinem Bett und wurde für den Rest der Nacht nicht mehr gestört. Herrlich!

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