Eine Welt zum Einsturz bringen

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Tagdienst auf dem Notfall. Heute scheint Herz-Tag zu sein. Alle Hausärzte melden mir einen Thoraxschmerz nach dem anderen an. Darunter auch Herr S.

Herr S. ist ein 80-jähriger Patient, der wie 65 aussieht. Er ist sehr fit für sein Alter und hat ausser einem Schilddrüsenhormon und einer Blutdrucktablette keine Medikamente. Auch die Diagnoseliste ist gut überblickbar. Mit dem Herzen hatte er noch nie ein Problem.

Nach der klinischen Untersuchung wird ein EKG geschrieben. Keine Ischämien erkennbar. Ich warte auf die Herzenzyme. Diese fallen ebenfalls normwertig aus. Die Anamnese lässt auch nicht auf Herzinsuffizienz schliessen. Es bestehen keine Ödeme, keine Nykturie (nächtliches vermehrtes Wasserlösen >3x) oder Probleme flach zu liegen. Zum Kardiomegalie (vergrössertes Herz) Ausschluss fertige ich ein Röntgen Thorax an. Das Herz ist normal gross, keine Ergüsse aber…

mehrere Schatten im rechten Mittel- und Unterlappen. Ich weiss, dass der Patient vor 2 Jahren ein Bronchuskarzinom des linken Oberlappens gehabt hatte. Dies wurde bestrahlt. Er war seit dem immer in regelmässigen Kontrollen beim Onkologen. Wir machen ein CT Thorax/Abdomen.

Der Befund ist ausgedehnt. Der Tumor befindet sich in beiden Lungen, beiden Nieren, den Nebennieren und der Bauchdecke. In der Mitte des Abdomens sieht man eine grosse Tumormasse. Ich kann nicht sagen, was sie alles einschliesst.

Ich teile es dem Patienten mit. Er nimmt es gefasst auf. Seine Partnerin bricht in Tränen aus. Sie kann es nicht verstehen. Man wäre doch regelmässig in der Kontrolle gewesen und die Tumormarker wären auch immer gemacht worden. Man hätte doch die Krebszellen im Blut sehen müssen. Ich versuche es ihr zu erklären. Doch in der Situation bringen Worte nicht viel.

Wir entlassen den Patienten nach Hause. In der Tasche ein Rezept mit Schmerzmitteln für den Thoraxschmerz. Ich hätte ihm den Herzinfarkt wirklich gegönnt.

 

Vorbei

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Meine 1.5 Jahre als Chirurgin sind vorbei. Ich bin gleichzeitig traurig und auch erleichtert. Traurig, dass ich es nicht geschafft habe, dass ich nicht das Zeug zur Chirurgin habe. Ich hatte es mit gewünscht. Doch nach einiger Zeit war operieren nur noch ein riesen Stress für mich. Die leitenden Ärzte setzten mich unter Druck. Pushten mich und motzen mich an ohne mal nur eine Minute ins teaching zu investieren. Wie sollte ich etwas perfekt können wenn ich es nur 1 mal gezeigt bekam und ca 2x gemacht hatte. See one, do one, teach one. Das Chirurgen-Moto. Leider nicht ideal für mich.

Auf dem Notfall lernte ich viel! Bekam super feedback und wurde auch gelobt wenn ich etwas gut machte. Auf dem Notfall fühlte ich mich wohl trotz des riesen Workloads. Ich wurde geschätzt und auch gebraucht. Auf der chirurgischen Station hatte ich immer nur das Gefühl alles falsch zu machen. Ein Scheissgefühl.

Wenigstens die Patienten waren zufrieden und zeigten sich immer dankbar für meinen Einsatz. Ich versuchte mir Bestätigung zu holen in Handlungen, die ein Chirurg normalerweise nicht macht. Negativbilanzierung, Blutdruckeinstellungen, Medi-Optimierung, etc…Internistische Tätigkeiten, die so viel für das Wohlbefinden meiner Patienten beitrugen.

Als dann mein Vertrag nicht verlängert wurde, wusste ich, dass es Zeit war die Koffer  zu packen. Nun freue ich mich auf meine 2 Jahre als Internistin.

Der Abschied an meinem letzten Tag viel auch sehr minimalistisch aus. Dei Leitenden und Oberärzte haben kaum noch was gesagt, vom Chef ganz zu schweigen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich so schlecht war. Das macht mich echt traurig und nachdenklich. Oder sind Chirurgen einfach so?

Ich versuche mein Glück nun wo anders und halte euch auf dem Laufenden.

Die Weichen sind gestellt

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In den letzten Monaten hab ich die Weichen für meine Zukunft bis ins Jahre 2019 gestellt. Ich verlasse die Chirurgie und werde mich 2 Jahre der Inneren Medizin widmen. Danach geht’s in die Anästhesie wo ich meine Facharztausbildung beginnen werde mit dem Ziel Anästhesie und Intensivmedizin als Doppel-Facharzt zu erwerben.

Ich merke immer mehr, dass die Chirurgie mir nicht gibt was ich brauche. Klingt zwar etwas merkwürdig, aber ist so. Ich mag die kleinen Eingriffe und hasse die grossen langen OPs! Auch bin ich mittlerweile überzeugt nicht die Fertigkeiten entwickeln zu können um eine gute Chirurgin zu werden. Dafür bin ich ein zu netter Mensch😉

Aber der Hauptgrund besteht darin, dass ich meine grosse Liebe die Notfallmedizin nicht aufgeben kann. Ich kann es nicht leugnen, dass ich einfach auf diesen Helikopter will!  REGA ist mein Endziel. Und meine Anästhesiestelle welche ich bereits zugesichert habe wird mich dorthin bringen.

Nun freue ich mich ab Mai auf der Medizin zu sein und viel Physiologie und Pharmakologie zu lernen. Das hat mir auch sehr gefehlt.

Ich halte euch auf dem Laufenden.

Daumen drücken alleine reicht leider nicht

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Letzte Woche wurde mir im Tagdienst auf dem Notfall eine mögliche Fingeramputation angekündigt. Ich musste erst mal schlucken. Der Patient war jung, sehr jung! Gerade die Lehre angefangen. Letzte Woche. Nun der Arbeitsunfall.

Der Patient wurde in Begleitung des Chefs eingeliefert. Er hatte starke Schmerzen. Eine Untersuchung war nicht möglich. Also musste eine Leitung her. Nach mehreren Dosen Morphium und Dormicum konnten wir ihm den Arbeitshandschuh ausziehen. Der 2. Finger der rechten Hand, seine dominante Hand, hing nur noch an der Extensorensehne und einem volaren Hautlappen. Wir verständigten sofort den Handchirurgen, welcher heute im Haus war. Das Röntgenbild bestätigte, was man sowieso schon sah. Der Finger war im proximalen Teil des proximalen Phalangen nach dem MCP Gelenk amputiert. Bei Erwachsenen wäre dies eine Amputationsindikation. Dies überraschte mich, den ich fand diese Stelle doch noch sehr proximal. Er wollte es aber wegen dem jungen Alter des Patienten versuchen. Knapp 1.5h nach Amputation war der Junge im OP. Die OP dauerte 440 Minuten.

Am Folgetag verfolgte ich den Verlauf in der elektronischen KG des Patienten und lass die Verlaufe der orthopädischen Assistenten. 2 Tage nach OP wurde die Indikation zur Amputation gestellt, da der Finger doch nicht überlebte. Sehr traurig! Wir haben ihm alle die Daumen gedrückt.

Zukunft

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Ich bin nun schon 10 Monate „im Geschäft“ Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass es der richtige Beruf für mich ist. Ich mache diese Arbeit gerne auch wenn sie ihre Schattenseiten hat. Momentan bin ich auf meiner Halbjahresrotation auf dem Notfall. Ich geniess es wirklich sehr. Ich musste weg von der Station. Zuletzt war ich Privatassistentin. Das heisst, ich betreute die Privatpatienten und musste mit dem Chef und den Leitenden auf Visite gehen. Das hat wirklich nichts mehr mit Medizin zu tun. Diese Menschen (Privatpatienten) haben Ansprüche und Wünsche, dass ich nur den Kopf schütteln kann. Aber nicht nur das war ein Problem für mich. Ich kam  nicht zurecht mit den Ansprüchen der Chefs. Wenn man mal eine Medidosierung nicht genau auswendig wusste kassiere man gleich den Zusammenschiss. Ich bin kein dummer Mensch aber ich kann mir nicht die Medikamente von 30 Patienten merken. Tut mir leid. Vielleicht bin ich ja doch falsch in dem Job. Den ganzen Tag hetzte ich von A nach B und am Ende des Tages ist doch immer irgendwas nicht gut. Ende Juni war ich so ausgebrannt, dass ich froh war endlich in die Ferien verschwinden zu können.

2 Wochen surfen und Sonne haben mir gut getan. Ich hat gemerkt: da draussen gibt’s ein Leben und es zieht an dir vorbei. Darum stelle ich momentan mein Ziel Chirurgin zu werden ziemlich in Frage. Ich bin gerne im OP und ich liebe die Arbeit mit den Händen. Doch offenbar bin ich laut meiner Zwischenbeurteilung einfach zu langsam.

Der Plan sieht folgendermassen aus. Ich bin bis Dezember auf dem Notfall und versuche mich zu erholen. Wenn ich Glück habe werde ich im Januar nicht gleich wieder als Privatassi eingeteilt und kann eine normale Station leiten, was ich einfacher finde. Dann lasse ich wohl meinen Vertrag auslaufen und mach ein bisschen Medizin oder Anästhesie. Ich weiss es noch nicht. Ev. geh ich auch zurück auf den Notfall als Notfall-Assistent. Der Verlängerung meiner jetzigen Stelle stehe ich kritisch gegenüber. Ich wollte das mal, aber ob die mich wollen steht nun in den Sternen.

Ich halte euch auf dem Laufenden…

Die ersten OPs

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Bis jetzt durfte ich 5 mal selber schneiden😉

Meine erste OP war ein Port à cath. Ein Port ist ein permanenter venöser Zugang welcher in die V. subclavia eingeführt wird, damit ein Patient Chemotherapie bekommen kann ohne, dass seine Venen ständig punktiert werden müssen. Wie jede OP hat auch diese Risiken. Das blödste was passieren kann (von den häufigen Komplikationen) ist wohl der Pneumothorax, ein kollabierter Lungenflügel.

Vor meinem ersten Port hatte ich Angst in die Lunge zu stechen. Doch dann musste ich die Punktion nicht selber machen. Der Oberarzt hat die Punktion selber gemacht und ich durfte den Rest machen.🙂 Das bedeutet: Präparation der kleinen Tasche über dem grossen Brustmuskel in die der Port zu liegen kommt, die Fixationsnähte am Muskel und schliesslich die Tasche zunähen. Das unangenehme bei dieser OP: Der Patient ist wach🙂 und ich habe das Gefühl irgendwann schnallen die Patienten, dass sie nicht vom Oberarzt operiert werden.😉

Bei meinem zweiten Port durfte ich die V.subclavia punktieren. Das ging super gut. Ich war selber etwas überrascht😀 Ich hoffe ich darf bald wieder einen Port operieren damit ich nicht aus der Übung kommen.

Bis jetzt hab ich alle meine Portpatienten danach im Lift getroffen auf ihrem Weg zur Chemotherapie. Sehr lustig. Jeder hat mich mit einem Lächeln begrüsst und gemeint ich hätte das gut gemacht und sie wären froh, dass sie so einen Port haben. Schön wenn der misstrauische Patient nachher happy ist.🙂

Meine nächste OP war ein Perianalabszess. Das sind Eiteransammlungen neben dem After. Oft besteht ein Verbindungsgang zum Rektum eine sogenannte Fistel. Dies ist eine ziemlich einfache OP und doch muss man vorsichtig sein um den Schliessmuskel nicht zu verletzten. Passiert das hat man einen unglücklichen inkontinenten Patienten.

Lipome! Ich liebe Lipome! Die Patienten leiden sehr unter diesen Fettwülsten unter der Haut doch die zu operieren macht einfach Spass🙂 Die Haut oberhalb des Lipoms wird eingeschnitten, dann drückt man so lang bis das Lipom als Kugel herausploppt. Dann muss man mit dem Elektrokauter noch die Fixierung im Subkutangewebe durchtrennen und die Haut wieder verschliessen. Fertig!🙂

Freu mich schon auf die nächsten kleinen OPs. Mögen sie bald kommen!🙂

Die ersten zwei Wochen

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Meine ersten zwei Wochen als Assistenzärztin sind rum. Viel neue Eindrücke und sehr viele Infos prasseln täglich auf mich ein und ich versuche so viel wie möglich aufzusaugen.

Momentan bin ich Stationsärztin. D.h. ich mache Visite mit der Pflege und einmal pro Woche mit den Oberärzten. Am Freitag ist die Chefvisite. Um die bin ich bis jetzt zum Glück rumgekommen😀 Jeden Tag gibt es fixe Termine. Morgenrapport, Röntgenrapport und Kardexvisite mit der Pflege. Langsam weiss ich wann was vorgestellt werden muss und wo ich die Infos finde. Anders sieht es bei der Patientenbetreuung aus. Für jede Operation haben wir Schemata z.B. wann der Patient nach Hause gehen kann, wann er essen darf ect ect. Die kann ich nach zwei Wochen natürlich nicht auswendig. Aber ich lerne jeden Tag dazu.

Das Kliniksystem kannte ich zum Glück schon aus meiner Unterassistenzzeit. Da mogle ich mich bis jetzt sehr gut durch. Eine neue Hürde sind die Austrittsberichte. Ich bin echt langsam🙂 Werde aber auch da täglich schneller. Ne komplikationslose Gallenblase schreibe ich mittlerweile in 10 Minuten und die Varizen-Patienten sind auch einfach, weil die Nachbehandlungsprozedere bei jedem Patienten gleich sind.

Mein Team ist echt super. Nicht das übliche arrogante Chirurgen-Pack🙂 Ich fühl mich wohl. Musste auch schon 3 mal in den OP weil wir echt unterbesetzt sind. Eine Thyroidektomie (schöne OP, aber 3h Hacken halten und das Kuscheln am OP Tisch aus Platzmangel ist anstrengend), eine Apendektomie (bei einem 11 Jährigen. Ich durfte die Kamera führen) und eine Rektopexie (no comment, die Chirurgen-Kollegen können ahnen was ich da machen musste :p ). Bei jeder OP durfte ich zunähen.

Ihr seht ich mache meine ersten Baby-Schritte und jeden Tag versuche ich etwas weniger zu stolpern🙂

Ärztin!

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Ich hab’s geschafft. Vor zwei Tagen kam endlich der positive Bescheid, dass ich mein Staatsexamen erfolgreich absolviert hatte!🙂 Mein Gefühl in der schriftlichen Prüfung hatte mich nicht getäuscht. Die war wirklich gut. Schicke 72% Ein Ergebnis mit dem ich mehr als glücklich bin. Den auch nach 6 Jahren Studium ist aus mir keine 6er Studentin geworden. Ich bin lieber noch etwas Mensch🙂

Vom OSCE weiss ich leider nur, dass ich 100 Punkte erreicht hatte und 88 gebraucht hätte. Für meinen Geschmack etwas knapp, aber doch noch ausreichend. Auch da hatte mich mein Gefühl nicht getäuscht. Ich hatte Anamnesepunkte in der Aufregung vergessen und wahrscheinlich auch die eine oder andere Untersuchung unsorgfältig durchgeführt. Die Nervosität hatte mich gelähmt.

Doch nun ist es geschafft! Es ist hinter mir! Die Warterei hat ein Ende. Ich bin unendlich erleichtert und doch etwas wehmütig. Ich bin keine Studentin mehr. Fast 10 Jahre habe ich mich darüber definiert. Nun habe ich endlich eine Beruf und kann auf die Frage „Was arbeiten Sie den?“ sagen „Ich bin Ärztin“🙂 Nie mehr jobben! Und doch werde ich mein Team in der Bäckerei vermissen. Dort arbeiten alles ganz tolle Menschen, die mich in meinem letzten Jahr super unterstütz haben.

Wie geht’s jetzt weiter? Ich hab eine Job! Am 3. November starte ich in die Ausbildung zur Chirurgin. Das wird was geben🙂

Staatsexamen OSCE (Objective structured clinical examination)

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Heute fand endlich meine mündliche Prüfung statt. Hier in der Schweiz läuft das wie bei den Amis. Wir haben keine realen Patienten sondern sogenannte Standardisierte Patienten oder Schauspielpatienten (kurz SP)

Vor der Prüfung versammelten wir uns, checkten ein und zogen unsere Kittel an. Um 14 Uhr gings los.

Die Prüflinge verteilen sich auf dem Stockwerk vor ihrem ersten Zimmer. Ich startete bei Posten 9. An den Türen hängt die Beschreibung des Postens mit dem Namen des Patienten und seinem Anliegen. Die ganze Situation wird geschildert z.B. ob man Assistenzärztin ist oder Vertretung eines Hausarztes. Dem entsprechend muss man auch reagieren beim Behandlungsplan. Auch die Vitalwerte stehen meistens und gibt gleich einen ersten Eindruck ob man gleich einem Notfall gegenüber steht oder einem alltäglichen Patienten für den man sich „Zeit“ lassen kann.

Posten 9: Lupus erythematodes

Als ich diesen Blog eröffnet habe vor mehr als 6 Jahren war mein erster Beitrag über Lupus. Diese Krankheit kam damals bei Dr. House ständig vor und ich fand sie extrem mysteriös. Das Studium hat mich gelehrt, dass Lupus einfach nur lästig ist🙂 und so ziemlich alles machen kann. Aber zurück zur Patientin. Ich betrat das Zimmer und gleich fiel mir ihr Schmetterlingsexanthem auf. Ich liess mich nicht beirren und versuchte die Anamnese unvoreingenommen zu beginnen. Das Leitsymptom war nämlich die Müdigkeit. Ob ich schlussendlich alles gefragt hatte weiss ich nicht. Ihre einzigen Symptome waren eine Lichtempfindlichkeit, die Gelenkschmerzen, Mundaphthen, das Schmetterlingserythem und die beginnende Pleuritis. Das man Lupus im Labor diagnostiziert über diverse Antikörper wusste ich natürlich und ordnete eine Blutentnahme an und ein Röntgenthorax wegen der Schmerzen beim Einatmen. Ob das nun gereicht hat als Proccedere-Massnahme weiss ich nicht. Ich war etwas überfahren von diesem ersten Fall. Und schon hatte ich auch meinen ersten Angst-Posten „Rheumatologie“ durch. Es konnte ja nur noch aufwärts gehen.

Posten 10: Polycystische Ovarien

Echt jetzt? Der Gynäkologie-Fall war echt scheisse. Als hätte man mir nach dem Lupus gleich noch ein Bein gestellt. Durch meine Start-Nervosität war ich echt total blockiert. Die Tussi wollte schwanger werden, ging aber nicht. Also konnte ich nur die Zyklusanamnese erheben und eine vorzeitige Menopause auschliessen. Ich gebs zu ich hab die Hypothyreose vergessen. Aber auch die ganze restliche Gyni-Anamnese fiel aus. Sie war noch nie schwanger, hat keine Kinder verloren oder abgetrieben und die Brustanamnese war auch sehr kurz. Ich ordnete einen Gyni-Untersuch an. Natürlich ohne Befund. Mein angeordnetes Blutbild mit Hormonbestimmung wurde mir nicht gegeben also gehörte das wohl zum weiteren Procedere. Ich hatte keine Ahnung mehr was machen und war froh als der Gong kam. Voll vergeigt.

Posten 11: Vd. a. Urosepsis

Die Schauspielerin war klasse aber ich war immer noch nicht ganz bei mir. Die Anamnese war glaube ich mehr oder weniger vollständig. Sie hatte extrem starke Bauchschmerzen und ich ging schnell die möglichen Entzündungfoci durch. Druckdolenz im rechten Nierenlager war heftig. Sie sprang mir fast an die Decke. Ich ordnete Blut an. CRP und Leukos sehr hoch! Der Stolperstein an diesem Fall war, dass ich eine Hausarztvertretung war. Das heisst die gute Frau musste ins Spital überwiesen werden. Was ich tat. Ich verliess das Zimmer trotzdem mit dem Gefühl extrem viel vergessen zu haben. Keine Ahnung!

Posten 12: Meningitis

Der nächste Schlag ins Gesicht folgte sofort. Junger Mann mit starken Kopfschmerzen. Als ich das Zimmer betrag war er schon voll monitorisiert. Sein Blutdruck war kacke 90/65. Ich begrüsste ihn und fragte ihn nach den Kopfschmerzen. Dann unterbrach ich die Anamnese und prüfte den Meningismus. Heftiger Wiederstand. Da ich eine Pflegefachkraft im Raum hatte konnte ich Untersuchung, Diagnostik und Therapie kombinieren. Zuerst lies ich eine Leitung legen und die Infusion voll aufgedreht reinlaufen. Die zweite Blutdruckmessung war schon viel besser. Ich erklärte dem Patient meine Verdacht und liess sofort Blutkulturen abnehmen und ordnete danach das Antibiotikum an. Leider hatte ich keinen Plan mehr welches (ja ich weiss, schlimm!!)  und ordnete ein falsches an….. Weil ich gerne eine Liquorpunktion durchführen wollte ordnete ich ein CT an. Da sagt mir doch der Pfleger “ Ist gerade besetzt mit dem Polytrauma“😮 Na toll!! Ich so zu ihm „Ist das MRI frei?“ „Nein ist auch belegt“ Super! Dann hatte ich den Supereinfall. Ich sagte, dass ich jetzt seinen Augenhintergrund spiegeln würde um nach Hirndruckzeichen zu suchen. Examinator: „Keine Anzeichen für Hirndruck“ Ich ordnete also die LP an. Nun hatte ich Zeit ihn weiter zu befragen und vergass wieder vieles. Auch hatte ich keinen Plan welcher Untersuch den jetzt noch wichtig wär. Ich guckte grob die Neuro an und dann war die Zeit auch schon wieder um. Hoffentlich macht meine korrekte Notfallbehandlung die Anamnesepunkte wett.

Dann hatte ich die erste Pause und wär fast zusammen gebrochen. Echt ein scheiss Start! Es konnte nur noch besser werden. Und es wurde besser.

Posten 1: KHK-Patient kommt für Check-up

Dieser Fall steht im USMLE-Buch!! Danke Gott!! Er hatte sogar die Erektionsstörung! Ich glaube ich habe alles gefragt und ihm gute Tipps gegeben.

Posten 2: Asthma

Junge Raucherin mit Husten. Die Anamnese war ausser dem Rauchen fast bland. Sie hatte nur diesen Husten mit Auswurf der auch in der Nacht auftritt und wenn sie sich stark anstrengt beim Sport. Die kardiopulmonale Untersuchung war o.B. Ich hab sogar die Bronchophonie geprüft. Na seid ihr stolz auf mich? :)) Ich riet ihr das Rauchen ganz aufzugeben, da sie täglich eh nur 5 Zigis raucht. Ordnete ein Röntgen Thorax an und eine Sputumuntersuchung. Medis gab ich ihr ein kurzwirksames Betamimetikum mit wenn sie beim Sport wieder Probleme hat. Ob das reicht als Procedere? Keine Ahnung.

Posten 3: Cholecystolithiasis

Patientin mit typischen Cholecystolithiasis Symptomen. Ich führe eine komplette Abdomen-Untersuchung mit rektaler Untersuchung durch. Schloss Apendizitis, Ulcus und Ovarialtorsion mittels Ultraschall aus. Ich nahm die Patientin auf und ordnete eine Antibiotische sowie eine Schmertherapie an und erklärte ihr, dass man im akuten Entzündungstadium nicht mehr machen könnte und man später eine elektive Gallenblasen-Op besprechen müsse, da dies nun schon ihr zweiter Schmerzanfall innert 3 Monaten wäre.

Posten 4: ORL

Den Posten hab ich auch leicht verkackt. Der Patient war so doof….sorry. Der Schauspieler war mir gleich unsympathisch. Ich erhob die Anamnese und vergass den Schwindel *Zonk* Beim Untersuch lief eigentlich alles gut. Ich inspizierte das Ohr, klärte die gängigen Schmerzlokalisationen ab und palpierte die Nasennebenhöhlen, LK Stationen und das Kiefergelenk. Bei der Otoskopie vergass ich das gesunde Ohr. Dumm! Echt dumm!!! Und natürlich die Schwindel-Untersuchungen. Mein Procedere war auch recht flach. Ich nahm ihm Blut ab um die Entzündungszeichen zu checken und verordnete Antibiotika….war wahrscheinlich auch nicht nötig gewesen wäre wenn ich jetzt drüber nachdenke. Viral ist ja häufiger. *zonk* Wahrscheinlich hätte ich noch erwähnen können, dass man wenn es nicht weggeht, eine Parazentese druchführen würde. Doch das hab ich vergessen. Wie gesagt, ORL war auch nicht gut.😦

Posten 5: Kind mit Ikterus

Bei den Telefonkonsultationen geht es immer um Kinder. Ich hatte erwischt: „Mein Kind trinkt nicht mehr gut“ -_- Ich fragte die gängigen Fieberfoci ab, ob es ausgetrockent wäre (eingesunkene Fontanelle, ob es noch uriniert) Ob jemand krank wäre, ob das Geschwisterchen in die Krippe geht oder ob jemand in der Umgebung krank wäre. Ich hab echt alles gefragt und kam nicht drauf. Dann hatte ich den einfall für die Mutter nochmal alles zusammenzufassen. Da fiel mir auf ich hatte die Haut nicht erfragt und prompt war der Kleine Gelb wie ne Zitrone. Ich bestellte die Mutter und den kleinen Fratz (4 Tage alt) also ein und erklärte ihr, dass es wichtig wäre da sich das Abbauprodukt des Blutfarbstoff auch ins Gehirn ablagern könne und es dann langfristig Schäden davon tragen könnte.

Posten 6. Depression

Alter Mann im Altersheim. Nach Tod seiner Frau vor 2 Jahren immer trauriger geworden. Der Fall war schnell klar. Ich ging den ganzen Psychopathologischen Befund durch und Begann eine Therapie mit einem Antidepressivum und wöchentlichen Kontrollen und Gesprächen wenn ich wieder ins Altersheim komme (ich war eine Hausärztin)

Posten 7: Schenkelhalsfraktur

War schon klar als ich den Patienten im Bett liegen sah. Abduziertes aussenrotiertes Bein nach Sturz. Ich klärte trotzdem die Sturzursache ab ob er wirklich über seine Pantoffeln gestolpert war oder sonst gestürzt wäre. DMS (Durchblutung, Motorik und Sensibilität) war in beiden Beinen intakt. Das gebrochene Bein konnte er zwar kaum bewegen aber ich habs wenigstens versucht. Die Reflexprüfung war wohl unnötig, aber im USMLE Buch wurde das auch gemacht, darum hab ichs auch gemacht. Ich ordnete ein Röntgenbild an, was ich prompt bekam. Pertrochantäre Femurfraktur. Die behandelt man normalerweise mit einem Nagel, doch weil er fragte wie schnell er wieder aufstehen könne nach der OP, er wolle wieder wandern. Empfahl ich ihm eine Hüftkopfprothese. Er war 70 Jahre alt. Ich hoffe das war ok….

Posten 8: komischer Neuro-Ophtha-Zwitterposten

Patientin mit progredienter Visusverschlechterung. Ich freute mich schon über den Ophthaposten. Als ich die Ophtha Untersuchungen starten wollte mutierte der Posten zu einem Neuro-Posten! What! Ich bekam die Untersuchungsergebnisse vorgelegt. Mydriase rechts, Schmerzen bei Augenewegungen sonst alles o.B. Dann untersuchte ich die Patientin komplett neurologisch. Sie hatte sensible Ausfälle auf der rechten Seite und im rechten Gesicht. ich ordnete ein CT an und nahm sie auf. Was hier genau der Fall war wusste ich nicht wirklich. Es war einfach komisch! Wahrscheinlich ein Zentralvenenverschluss…fragt mich nicht! Den Fall fanden alle extrem komisch und schwer.

Das war’s! 3.45 min rum! Wenn ich das jetzt hier so niederschreibe klingt es gar nicht so schlecht. Doch ich habe an vielen Posten die Allergien vergessen und hie und da die B-Symptome sowie die Sozialanamnese. Meine Anamnesen waren echt nicht perfekt. Ich hoffe die Untersuchungen hauen es wieder raus so das es am Ende irgendwie reicht!🙂

Jetzt hau ich mich aufs Ohr! Bin kaputt!

Staatsexamen Tag 1

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Heute war es soweit. Die erste schriftliche Prüfung des Schweizerischen Staatsexamens fand statt.

Am Tag davor beendete ich meine Lernerei ca um 18 Uhr. Vielleicht etwas spät, aber ich hatte dazwischen noch Besuch. Meine Eltern kamen zur moralischen Unterstützung mit Kuchen vorbei.🙂 Die Süssen!

Ich nahm mir auch vor früh schlafen zu gehen. Aber ihr kennt das, man kann nicht einschlafen wenn man während der Lernphase immer erst um Mitternacht ins Bett kommt. Ich war zwar müde, doch die Nervosität war dann doch zu gross. Ich schätze dass ich wohl so 4.5 Stunden geschlafen habe, wenn’s hoch kommt.

Um 5.30 klingelte der Wecker. Ich war wach dank Adrenalin. Der Spiegel ist zwar nicht gesprungen als ich reinschaute doch ich sah scheisse aus. Da kann man mit Make up auch nicht mehr viel retten. Die langen Monate (9!) des Lernens hatten ihre Spuren hinterlassen. Ich habe seit mehreren Wochen extrem Haarausfall. Zum Glück hab ich so viele!😉 Nach dem Frühstück (Porridge! What else?) machte ich mich auf den Weg nach Zürich. Mit Musik versuchte ich mich abzulenken (James Arthur!) doch je näher ich der Limmatstadt kam um so mieser gings mir. Ganz schlimm war’s im Tram. Erst die Umarmung meiner Freundinnen konnte mich beruhigen❤

Um 8 Uhr ging’s los (theorethisch). Ich sass ganz oben im Saal. Nach dem Vorgeplänkel-Bla bla durften wir endlich unterschreiben und die Prüfungsbögen öffnen. 150 Fragen, 4.5 Stunden. Erst dachte ich das wäre genügend Zeit doch ich wurde bald eines besseren belehrt.

Schnell merkte ich, dass die Fragen fair gestellt waren und sich auf’s Wesentliche beschränken. Ins Auge stachen die vielen Arbeitsmedizinischen und Sozialmedizinischen Fragen. Ansonsten hatte es eine gute Mischung aus Innerer Medizin, paar wenige Chirurgie-Fragen, Psychiatrie, etwas HNO, Radiologie (!!, die waren scheiss schwer), Pädiatrie, 2 (!) leichte Ophtha-Fragen und eine Prise Derma gewürzt mit Rechtsmedizin.

Von Geburtshilfe, Gynäkologie, Anästhesie, Intensivmedizin oder Neuro war noch nicht viel zu sehen. Das kommt sicher am Donnerstag dran.

Positiv Überrascht wurde ich davon, dass sich unter den Prüfungsfragen so viele Wiederholungen aus unseren Fragesammlungen tummelten. Ich schätze es waren ca. 20 Fragen. Das sparte mir Zeit und rettete meinen Arsch😉

Ich hatte mir ein Zeitmanagement gemacht. Das Frageheft umfasste 72 Seiten. Also wollte ich zur Halbzeit bei Seite 36 sein. Klingt doch logisch oder? Was ich schaues Kind nicht bedacht hatte war, dass man mit der Zeit müde und langsamer wird. Auch hatte ich zwischendurch ein paar Knacknüsse, die mich mehr als 2 Minuten gekostet hatten, so kam ich in Verzug. Ums kurz zu  machen. Ich wurde 2 min vor Schluss fertig. Ich hab echt Blut und Wasser geschwitzt und dachte ich schaffe es nicht mehr. Hat aber Gott sei Dank noch gereicht :)) Das wär doch echt ne doofe Art gewesen durchzufallen. Am Ende war ich am Ende. Sofort setzte Hunger ein was bei mir nach Prüfungen nicht normal ist und mir war etwas schwindelig. So viele Fragen hatten wir noch nie an einer Prüfung. Es war echt anstrengend.

Mein Gefühl? Kann ich nicht sagen, da ich mein Karma nicht verärgern will. Aber ich denke es hätte wohl wesentlich schlimmer kommen können. Nun weiss ich wie der Hasse läuft und kann am Donnerstage etwas ruhiger in die zweite Runde starten.🙂

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