11.15.09
Herbsttage, Bücher, Testate und Jimmy Choo
Ich quäle mich gerade mit der Herzphysiologie rum. Ich weiss auch nicht, irgendwie hab ich gerade ne Blockade. Ich versteh die blöde Ruhedehnungskurve des Myokards nicht. Das muss heute umbedingt noch fertig werden, damit ich das doofe Fach abhacken kann.
Gestern war ich extra in Zürich um mir ein umfangreicheres Physiologiebuch zu kaufen. Den Biochemie-Löffler hab ich mir auch noch gleich reingezogen. Die beiden riesen Schinken waren echt teuer! Da ich aber sehr gerne ganze Kapitle in Büchern nachlese um mir nen Überblick zu verschaffen war es mir das wert. Gestern war einfach ein traumhafter Herbsttag. Ich war um 12 Uhr in Zürich in bin erstmal die Bahnhofstrasse hinaufgeschlendert Richtung H&M. Gestern kam nämlich die Jimmy Choo Kollekion raus und ich musste mir das Schauspiel einfach reinziehn!
Im Geschäft hatten sie extra einen Bereich der die Schuhe und Accessoirs enthielt mit Gittern abgesperrt und die jungen Mädels standen davor Schlange. Alle 10 Minuten kam die Durchsage „Wir bitten Sie nun den Jimmy Choo-Schuh und Accessoirs-Bereich zu verlassen. Wir lassen nun die nächste Gruppe rein. Sie haben 10 Minuten Zeit für ihre Einkäufe“ Ich stand also eine Weile da und zog mir die Show rein. Es war so lustig! Wie verzweifelt und ungeduldig die Frauen auf den Einlass gewartet haben. Man hätte meinen können die Jonas Brothers wären in Zürich im H&M am Shoppen. Naja…ich muss aber zugeben, wenn mir ein Paar der Kollektion gefallen hätte und es mein Grösse gehabt hätte, hätte ich mir vielleicht auch ein paar gekauft. Aber da dies nicht der Fall war würde ich nie aus reinen Prestigegründen sowas kaufen.
Amüsiert verliess ich den Laden und machte mich auf Richtung Buchladen. Da das Tram ausfiel lief ich vom Paradeplatz zum Bellvue. Mitlerweile war es Richtig düster und es war Wind aufgekommen, der die Blätter von den Bäumen trug. An den fernen Ufern des Zürichsees konnte man die verschneiten Berggipfel sehen und an jeder Ecke duftete es nach Marroni. Wie gesagt, ein traumhafter Herbsttag!
So konnte ich den Ärger und Stress des Freitages etwas abbauen. Am Freitag hatten wir Testat! Ich kam als letzte dran und langsam waren alle guten Themen weg! Da ich aus Zeitgründen die Genitalorgane nicht so gut gelernt hatte bekam ich langsam Angst, dass sie mich diese abfragen würde. Zum Glück hatte sie nur noch wenige Minuten Zeit und ich konnte schnell ein paar Sachen über die Nieren zum besten geben und das wars auch schon. Die Begrenzungen des Leistenkanals wusste ich nicht. Shame on me. Ich schwöre, ich lern den noch. Aber da er eigentlich gar nicht Thema war, hat ihn auch mein Kumpel nicht mehr genau gewusst. Tja…das hat sie nicht so gefreut und uns eingebläut den Kanal zu lernen!
Nächste Woche haben wir zum Glück mal keinen Präpkurs! So kann ich mich vernachlässigten Dingen wie der Physiologie widmen. Das coolste am Freitags-Präpkurs war, dass ich mit Meisel und Hammer die Wirbelsäule bearbeiten durfte um die Seitenäste der Spinalnerven und ihre Ganglien freizulegen! Das hat so irre Spass gemacht, war aber auch sau anstrengend! Als orthopädischer Chirurg muss man schon ne Maschine sein
So ich muss mal weiterlernen.
10.27.09
Anatomie, Kopfschmerzen und Heiserkeit
Die Erkältung ist schlimmer geworden. Jetzt hab ich auch noch Halsschmerzen und krächze wie ne alte Hexe. Das Kopfweh ist auch noch da. Ich hab schon vergessen wie es ist keine Kopfschmerzen zu haben. Das nervt. Wahrscheinlich bin ich eh selber schuld, ich hab das ganze Wochenende gearbeitet anstatt mir mal Ruhe zu gönnen. Jetzt hock ich daheim und verpasse den Mikroskopierkurs. Naja…Ich bin eh kein Fan von Histologie.
Am letzten Freitag war ja das Anatomie-Testat. Es war echt locker! Unser Assi war irgendwie nervöser als wir. Und wie es immer so ist, wird man immer das gefragt, was man nicht so genau weiss. Bei mir kam am Schädelknochen das Os spenoidale dran. Den Knochen kann ich mir einfach nicht merken. Dank des Testats weiss ich ihn jetzt endlich. Dann musste ich den Weg des Speisebreis bis zum Rektum erklären und welche Darmabschnitte intraperitoneal und welche sekundär retroperitoneal liegen. Oh man! In dem Thema bin ich auch echt schlecht. Meine Kollegen hatten auch knifflige Fragen aber etwa 70% hätte ich auch gewusst. Daher bin ich nicht so unzufrieden mit meiner Leistung. Der Assistent meinte am Ende, wir müssten die Anatomie einfach irgendwann mal können. Wenn jetzt noch nicht alles perfekt sitze wäre es nicht so tragisch. Wie gesagt, es war locker. Für den nächsten Freitag muss ich nun das Gesicht vorbereiten hoffentlich bin ich bis dann wieder fit.
03.06.09
Musculus sternocleidomastoideus….
Dies ist nur einer der vielen Muskeln, die ich in den letzten zwei Wochen kennenlernen durfte. In diesem Semester hat nämlich unser Präparierkurs begonnen.
Vor dem ersten Präparationsnachmittag hatten wir eine Einführungsvorlesung. Ich sass also im Hörsaal und lauschte dem Vortrag des Profs über die autochthonen Rückenmuskeln. Je näher die Zeiger der Uhr Richtung 14.45 Uhr wanderten, desto bleicher wurden meine Mitkommilitonen um mich herum. Auch ich wurde nervöser. Um 15 Uhr betraten wir den Saal. Wenn man von drausen hereinspähte, sah man 8 mit weissen Tüchern abgedeckte Leichen, die alle auf dem Bauch lagen. Ich ging schnurrstraks zu meinem Tisch und schaute mich nicht um. Blos schnell den Raum durchqueren.
Nach einer kurzen Ansprache vom Prof, in der er uns nochmal auf den ethischen Umgang mit den Leichen aufmerksam machte, wurde die Leiche abgedeckt. Das war der Moment, der für mich entscheiden war. Wie würde ich reagieren? Das Tuch wurde weggezogen und zum Vorschein kamen viele grüne Tücher
Die Leiche ist zusätzlich mit feuchten Tücher abgedeckt, die mit einer speziellen Flüssigkeit getränkt sind, damit sie nicht anfangen zu schimmeln. Nachdem auch die grünen Tücher weg waren, sahen wir sie bzw. ihn zum ersten Mal. Ein riesen Kerl! Fast 2m gross und muskulös gebaut. Seine Haut hatte einen bräunlich-gräulichen Farbton. Man konnte aber noch einige Altersflecken und Haar erkennen, obwohl die meisten davon schon abrasiert waren. Mein erwarteter Schock blieb aus und ich begann den Herrn neugierig zu betrachten und fasste ihn auch zum ersten Mal an. Seine Haut fühlte sich ledrig an. Da war nichts mehr von der schönen Elastizität einer lebenden Menschenhaut übrig.
Am ersten tag stand das Abziehen der Haut auf dem Plan. Unser Assistent schnitt die Linien für uns vor und wir begannen die Haut von der Fettschicht zu trennen. Doch wo fing die Fettschicht an und wo hörte die Haut auf?? Der rettende Tipp kam von unserem Assistenten: „Die Unterseite der Haut sieht aus wie Orangenhaut“ Aha!
Am zweiten und dritten Tag war ich nicht im Präp-Saal sondern im Selbststudium, wo Knochen und Gelenke durchgenommen wurden. Sehr langweilig. Das Selbststudium stellte eine Ausgliederungsmassnahme von ca. 45 Studis aus dem grossen Präp-Saal dar, da 124 Leute nicht an 8 Leichen gleichzeitig arbeiten können. Mit acht Leuten am Tisch ist es schon sehr eng. Am Ende eines Nachmittages gesselten wir uns zu den anderen im grossen Präp-Saal und liesen und zeigen, was sie alles geschafft hatten. Dies ist leider nicht das gleiche wie wenn man es live sieht.
Am vierten Tag durfte ich dann wieder schneiden! Ich war an der Wade und dem Oberschenkel eingeteilt und musste die Vene und Arterie Poplitea finden. Gefunden waren die zwei schnell, doch jetzt musste ich sie von ihrer Bindegewebsschicht befreien, was ich nicht so einfach fand. Ich schnitt dann auch ein paar Seitenäste ab, die später noch wichtig gewesen wären, wie ich gestern merkte.
Anstelle der Arterien superiores medialis und lateralis genus fand ich nur noch Löcher, die mir ihre frühere Anwesenheit bestätigten.
Am gestrigen fünften Präp-Nachmittag stand das Rückentestat an. Panisch lernte ich alle Muskelansätze und Ursprünge, den Verlauf der Nerven und Gefässe und noch einige anatomische Besonderheiten auswendig (so gut wie ichs halt noch in meinen Kopf stopfen konnte
) Ich hatte wirklich schiss Angst vor gestern. Ich bin halt ein kleiner Angsthase und mit meinem Selbstvertrauen steht es auch nicht immer zum Besten. Ausserdem wurde uns zwei Tage vor dem Testat eröffnet, dass wir die Sachen aus dem Selbstudium auch noch lernen müssen! 120 Seiten über Knochen und Gelenke! Für mich unmöglich. Ich brauche zum Lernen Zeit!
Unser Assi hat dann jeden kurz ein paar Muskel abgefragt (ohne Ansatz und Ursprung) und ritt danach ca. 20 Minuten auf dem Foramen infrapiriforme rum! Drei Leute an unserem Tisch mussten es immer wieder runterbeten, bis sie es auswendig konnten. Ich hätte es auch gewusst, aber ich wurde ja nie gefragt. Am Ende hatte ich zwei Nackenmuskeln benannt und sonst nix gesagt. Ich frage unseren Assistenten danach, wie er aus den spärlichen Infos herausfiltern wolle, wer bestanden hat und wer nicht. Er sagte, dass er natürlich nicht die Leute fragt von denen er weiss, dass sie es können. Ah….so! Am Ende hatten alle bestanden und die ganze Aufregung war wie immer für die Katz. Ich sollte es langsam besser wissen.
Übers Präpen kann ich sagen, dass es mir gut gefällt. Es ist interessant und sehr lehrreich, wenn man vorbereitet ist. Der Gestank ist nich so schlimm. Es ist ein süsslicher-beissender Geruch, den man nach einiger Zeit kaum mehr wahrnimmt. Eine verstopfte Nase hilft auch sehr
Nach dem Testat haben wir unserem lieben Herrn noch die Hautlappen abgeschnitten und die Wirbelsäule abgeschabt (die wird später von den Zweitjahr-Studis für den Hirnkurs benutzt). Auf nächsten Montag wird er umgedreht, damit wir uns an die Vorderseite machen können. Ich hab die Brustregion und freu mich schon drauf!
Für Informationen zur Körperspende kann ich diesen Link empfehlen.